Ärzte Zeitung online, 25.01.2019

Forschung

Seltene Krankheit liefert neue Erkenntnisse zu CED

Forscher haben das Familiäre kälteinduzierte autoinflammatorische Syndrom unter die Lupe genommen und neue Erkenntnisse zu entzündlichen Darmkrankheiten gewonnen.

HOHENHEIM. Ausschlag, Fieber, Gelenkschmerzen, Entzündungen im Darm – das „Familiäre kälteinduzierte autoinflammatorische Syndrom“ (FCAS) ist äußerst selten und für Betroffene sehr belastend.

Die Patienten weisen eine Genmutation auf, wodurch die Funktion des Proteins NLRP12 gestört ist, das normalerweise Entzündungsprozessen entgegenwirkt, heißt es in einer Mitteilung der Uni Hohenheim.

Nun haben Wissenschaftler nachgewiesen, dass an dem Vorgang ein weiteres Protein, das NOD2, beteiligt ist – eine Erkenntnis, welche die Forschung zu entzündlichen Darmerkrankungen ein wesentliches Stück vorantreibt (Nat Commun 2018; online 17. Dezember).

NOD2 spielt im Immunsystem eine wichtige Rolle: Das Protein erkennt einerseits Fremdstoffe, wie eingedrungene Bakterien oder Viren und reguliert andererseits die Darmbakterien. „In unserer Arbeit konnten wir feststellen, dass NOD2 durch das Protein NLRP12 beeinflusst wird“, so Professor Thomas Kufer von der Universität Hohenheim in der Mitteilung.

„Im gesunden Organismus wird NOD2 von NLRP12 abgebaut. Das fördert die Toleranz gegenüber Mikroorganismen, so dass die nützlichen Darmbakterien nicht angegriffen werden. Dies können bestimmte Krankheitserreger jedoch auch ausnutzen – die Gefahr einer Infektion mit pathogenen Darmbakterien steigt.“

 Toleranzmechanismus funktioniert schlechter

Wenn bei einer Mutation, wie im Falle der seltenen Erbkrankheit FCAS, NLRP12 seine Funktion verliert, dann spricht der Organismus stärker auf NOD2-Antworten an.

Die Folge: Der Toleranzmechanismus funktioniert schlechter. „Es entstehen Immunzellen, die verstärkt Entzündungen hervorrufen können.“ Ein Effekt, der bei entzündlichen Darmerkrankungen eine große Rolle spielt.

Um den Zusammenhängen auf die Spur zu kommen, hat das Team um Kufer an der Universität Hohenheim die Funktion der Proteine in menschliche Zellkulturen analysiert.

Haupt-Koordinator der Studie war Dr. Mathias Chamaillard vom INSERM (Institut national de la santé et de la recherche médicale) und dem Institut Pasteur in Lille. In seinem Team wurden Versuche mit gentechnisch veränderten Mäusen durchführt. Partner an der Pariser Uni Sorbonne und der Uni in Orleans haben Patientenkohorten zur Verfügung gestellt und die Wissenschaftler der Universität Tübingen ihre Expertise in bakteriellen Infektionen.

„Die Erkenntnisse, die wir aus unserer Studie gewonnen haben, sind von medizinischer Relevanz. Auch zum Beispiel bei der entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn spielen sie eine wichtige Rolle“, so Kufer.

„Wir hoffen, dass es zur Erklärung dieser Erkrankungen beiträgt, wenn wir die Funktionsweise der beteiligten Proteine besser verstehen. Nur so können wir neue Behandlungswege für diese Krankheiten finden.“ (eb)

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