Ärzte Zeitung, 25.11.2016

Fettleber

"Trojanisches Pferd" schleust T3 in die Leber

Mit einem neuen Wirkstoff könnte sich T3 zur Therapie bei Fettleber nebenwirkungsarm nutzen lassen.

MÜNCHEN. Ein neu entwickelter Wirkstoff benutzt Glukagon, um das Schilddrüsenhormon T3 gezielt in Leberzellen einzuschleusen – um dort den Stoffwechsel ankurbeln und damit die Fettleber zu beheben (Cell 2016; 167: 843–857).

Zu den erwünschten "Nebenwirkungen" gehören vermindertes Körpergewicht, verbesserter Cholesterinstoffwechsel und weniger Gefäßverkalkung, teilt das Helmholtz Zentrum München mit.

"Ziel war es, das Schilddrüsenhormon T3 vermehrt in die Leber einzuschleusen und es möglichst von Herzmuskel und Knochen fernzuhalten", wird Dr. Timo Müller vom Helmholtz Zentrum München in der Mitteilung zitiert.

"Obwohl die vielversprechenden Effekte von Schilddrüsenhormonen auf den Fettstoffwechsel seit Jahrzehnten bekannt sind, konnten diese aufgrund bekannter Nebenwirkungen auf Herz und Knochen bisher nicht medizinisch genutzt werden", so Matthias Tschöp, Direktor am Helmholtz Diabetes Zentrum.

Trick mit dem Doppelhormon

"Unser Trick mit dem Doppelhormon, ähnlich dem trojanischen Pferd, macht das jetzt zum ersten Mal möglich". Durch die Bindung von T3 an Glukagon gelange es nur in Zellen, die den Glukagonrezeptor haben.

Die Forscher beobachteten eine Reihe positiver Effekte, die auf die Behandlung mit dem neuen Wirkstoff zurückgehen. So verbesserten sich im Versuchsmodell nicht nur Zuckerstoffwechsel und Cholesterinwerte, auch das Körpergewicht und die Verfettung der Leber wurde nachhaltig gesenkt, heißt es weiter in der Mitteilung.

Sollte sich die Wirkung von T3 auch in klinischen Studien auf die Leber konzentrieren und sich Cholesterin dadurch sicher und gezielt senken lassen, könnte das Gefäßverkalkungen aber auch Lebertransplantationen vorbeugen, hoffen die Forscher.

Neben der Fortentwicklung des Wirkstoffs für die klinische Anwendung prüfe das Team, welche weiteren Zielgewebe sich spezifisch ansteuern lassen, um die Wirkung von T3 dort selektiv zum Einsatz zu bringen. (eb)

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