Ärzte Zeitung, 24.09.2010
 

Sodbrennen heißt nicht immer "zu viel Säure"

Dyspepsie oder Refluxösophagitis - die Differenzierung ist oft schwierig, hat aber therapeutische Konsequenzen.

Von Christina Ott

Sodbrennen heißt nicht immer "zu viel Säure"

Aufgebläht und satt nach zwei Bissen? Das lässt eine funktionelle Dyspepsie vermuten.

© Catalin.Petolea / fotolia.com

STUTTGART. Kommt ein Patient mit Sodbrennen in die Praxis, wird dies meist mit einem Säureüberschuss gleichgesetzt und werden häufig reflexartig Protonenpumpenhemmer (PPI) verordnet. Vermutet wird dann oft eine Refluxösophagitis.

Handelt es sich bei der zugrundeliegenden Erkrankung aber zum Beispiel um eine funktionelle Dyspepsie vom Dysmotilitäts-Typ, dann sind PPI wirkungslos, wie Professor Hans-Dieter Allescher vom Klinikum Garmisch-Partenkirchen, Mitglied des Kompetenzteams Magen sagte. Schätzungen zufolge würden mehr als 50 Prozent der PPI nicht indikationsgerecht eingesetzt, so der Gastroenterologe bei einem vom Unternehmen Steigerwald unterstützten Symposium im Vorfeld des Kongresses der Viszeralmedizin 2010 in Stuttgart.

Ein Grund für das Nicht-Ansprechen der PPI bei Patienten mit funktioneller Dyspepsie ist, dass die Beschwerden nicht durch einen Säureüberschuss entstehen, sondern unter anderem durch eine Motilitätsstörung. Diese kann zu einer Fehlverteilung der Magensäure führen. Die Patienten haben also nicht zu viel Säure, sondern Säure am falschen Ort.

Eine therapeutische Option bei funktioneller Dyspepsie sei das Phytotherapeutikum Iberogast®, so Allescher. Das aus neun Komponenten zusammengesetzte Phytotherapeutikum wirkt im Sinne einer Multi-Target-Therapie: Es moduliert regionenspezifisch die Motilität des Magens, indem es bei Hypomotilität des Antrums eine stimulierende Wirkung entfaltet und bei Hypermotilität von Corpus und Fundus spasmolytisch wirkt.

Diagnose-Checkliste für die Praxis

Refluxösophagitis
• Treten die Beschwerden vor allem nachts auf? Wachen Sie deshalb auf?
• Leiden Sie derzeit unter einer eher zu großen Arbeitsbelastung?
• Kommt es bei Ihnen häufig zu Thoraxschmerz und Aufstoßen?
• Meiden Sie speziell Bohnen-kaffee und Speisen mit "schlechtem" oder kaltem Fett?

Funktionelle Dyspepsie
• Treten die Beschwerden vor allem im Zusammenhang mit Mahlzeiten auf?
• Fühlen Sie sich eher seelisch gestresst?
• Erleben Sie es häufig, dass Sie sich schon nach dem zweiten Bissen satt und aufgebläht fühlen?
• Brauchen Sie eine spezielle Diät, um Beschwerden zu vermeiden?

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