Ärzte Zeitung, 01.10.2009

Hirnödem durch Hyponatriämie nach Marathon

Wer Sportler betreut, sollte die Hyponatriämie nicht übersehen. Denn die Komplikationen sind potenziell lebensbedrohlich.

Von Thomas Meissner

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Bei Marathon-Großveranstaltungen muss mit schweren Hyponatriämien gerechnet werden. Läuferinnen sind besonders gefährdet.

Foto: dpa

KASSEL. Nach Marathonläufen sollen bis zu 13 Prozent der Sportler zu niedrige Natriumspiegel aufweisen, schwere Hyponatriämien mit Werten unter 120 mmol/l etwa 0,3 bis 0,6 Prozent, berichten Stefan Trautwein vom Klinikum Kassel und seine Kollegen (Notfall Rettungsmed 12, 2009, 287). Das erscheint wenig, bei Großveranstaltungen mit mehreren tausend Läufern müsse jedoch damit gerechnet werden, so Trautwein.

Die Kasseler Kollegen beschreiben den Fall einer 41-jährigen Marathonläuferin, die nach über fünf Stunden die Strecke bewältigt hatte und über Kreislaufbeschwerden und Unwohlsein klagte. Sie gab an, ausreichend getrunken zu haben. Sie erhielt dennoch mehrere verschiedene Infusionslösungen, unter anderem wegen des niedrigen Blutdrucks mit 90 mmHg systolisch.

Später wurde sie zunehmend unruhig und unkooperativ, erbrach mehrfach, war dann somnolent und gab nur noch unverständliche Laute von sich. Nachdem sie mit dem Notarzt in die Klinik gefahren worden war, stellte sich eine schwere Hyponatriämie mit 118 mmol/l und Hypokaliämie mit 2,9 mmol/l heraus.

In der Schädel-Computertomografie war ein leichtgradiges diffuses Hirnödem zu erkennen. Nach zweitägiger intensivmedizinischer Behandlung und weiteren zwei Tagen auf einer neurologischen Station konnte die Marathonläuferin ohne Folgeschäden mit normalisierten Elektrolytwerten nach Hause entlassen werden.

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Zu erkennen im cCT: verstrichenes Hirnwindungsrelief (a, b), bifrontal aufgehobene Mark-Rinden-Differenzierung (b), sehr schlanke Seitenventrikel (c) und basale Zisternen (d). Diagnose: Hirnödem

Foto: Springer Medizin Verlag

Die exzessive Flüssigkeitsaufnahme über das Durstgefühl hinaus führt zu einem Verdünnungseffekt. Außerdem verlieren Sportler über den Schweiß in sehr unterschiedlichem Ausmaß Elektrolyte. Zu den Risikofaktoren für eine Hyponatriämie zählen unter anderen weibliches Geschlecht, ein niedriger Body-Mass-Index sowie die vorangegangene Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika. Die meist asymptomatische Hyponatriämie wird oft als Kreislaufkollaps verkannt. Verwirrtheit und Krampfanfälle weisen jedoch auf ein beginnendes Hirnödem hin. Vereinzelt können Ödeme an Händen und Füßen oder im Gesicht auftreten.

Die Therapie bei leichten Hyponatriämien besteht im strikten Verbot, weiter Flüssigkeit aufzunehmen, bis die spontane Urinproduktion wieder einsetzt.

Bevor bei Sportlern mit unspezifischen Beschwerden unkritisch hypotone Infusionslösungen verabreicht werden, empfehlen die Kasseler Kollegen tragbare Systeme zur Elektrolytdiagnostik, zum Beispiel transportable Blutgasanalysegeräte zu nutzen.

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