Ärzte Zeitung, 25.11.2011

Stammzellen gegen Querschnittlähmung

Insgesamt vier Patienten mit Querschnittlähmung sind in den USA mit Stammzell-Präparaten behandelt worden. Das Präparat wurde aus humanen embryonalen Stammzellen hergestellt.

Von Peter Leiner

Stammzellen gegen Querschnittlähmung

Stammzellen: Bei querschnittsgelähmten US-Patienten haben sie geholfen,

© imagebroker / imago

NEU-ISENBURG. Die vier Patienten der weltweit ersten genehmigten Studie zur Behandlung mit Stammzellen gegen Querschnittlähmung hatten zum Zeitpunkt der Behandlung unterhalb der Verletzung am Rückenmark keine motorischen und sensorischen Funktionen mehr.

Erste Ergebnisse vorgestellt

Auf zwei Kongressen in den USA wurden vor Kurzem die ersten vorläufigen Ergebnisse der Studie von Dr. Linda Jones und Dr. Joseph Gold von dem Hersteller des Medikamentes, dem kalifornischen Unternehmen Geron, der Öffentlichkeit präsentiert.

Bisher habe es durch die Injektion von zwei Millionen Stammzellen keine Nebenwirkungen gegeben. Erkenntnisse über die Wirksamkeit gibt es offenbar noch nicht.

Injiziert wurden die Zellen an der verletzten Stelle des Rückenmarks. Die Patienten hatten die Zellen innerhalb von ein bis zwei Wochen nach der Verletzung des Rückenmarks gespritzt bekommen.

Außerdem wurde zeitweise das Immunsystem medikamentös unterdrückt. Aber auch nach dem Stopp dieser immunsuppressiven Behandlung reagierte die Immunabwehr der Patienten nicht auf die injizierten körperfremden Stammzellen mit Abstoßungsreaktionen.

Anfang 2010 hatte die US-Zulassungsbehörde FDA diese erste klinische Studie mit dem Zellpräparat GRNOPC1 von Geron zur Therapie von Patienten mit Querschnittlähmung genehmigt.

Patienten werden fünf Jahre lang jährlich untersucht

Alle Patienten werden nun fünf Jahre lang jährlich körperlich untersucht und dann über einen Zeitraum von weiteren neun Jahren jährlich telefonisch nach ihrem Befinden befragt.

Das Zellpräparat besteht aus bestimmten, aus den Stammzellen gezüchteten Nervenzellen, den Vorläuferzellen der Oligodendroglia-Zellen. Diese Zellen synthetisieren Eiweißmoleküle, die die Zellausläufer aller Neuronen umhüllen.

Erfolge in Tierversuchen

Die als Myelin bezeichnete Hülle ist für die Informationsübermittlung im Gehirn unerlässlich. In Tierversuchen ist es bereits gelungen, durch die Implantation der aus Stammzellen gewonnenen Oligodendroglia-Zellen Rückenmarkverletzungen zu beheben.

Dazu wurden die Zellen sieben Tage, nachdem das Rückenmark experimentell geschädigt worden war, implantiert. Innerhalb von 180 Tagen hatten die Zellen des Präparates eine Strecke von 16 Millimetern zurückgelegt.

Nach neun Monaten hatten die implantierten Zellen die geschädigten Stellen in den Rückenmarknerven gefüllt und die entstandenen Nervenfortsätze mit dem schützenden Myelin umhüllt. Die zuvor gelähmten Tiere konnten sich wieder bewegen.

Wie das Unternehmen mitteilt, werden derzeit keine weiteren Patienten in die Studie aufgenommen. Denn es hat entschieden, sich verstärkt auf die Erforschung neuer Medikamente gegen Krebs zu konzentrieren und die Entwicklung von Stammzellpräparaten zu beenden. Das Stammzellprogramm wird nun anderen Unternehmen angeboten.

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