Ärzte Zeitung, 30.01.2012

Nerven in der Netzhaut erkennen große und kleine Objekte

GÖTTINGEN (eb). Schon die Nervenzellen des Auges können zwischen kleinen, kontrastreichen und großen, kontrastarmen Objekten unterscheiden - und nicht erst das Gehirn. Das haben Forscher aus Göttingen und Martinsried entdeckt (Neuron 2011; 73: 333-346).

Bisher war unbekannt, wie die Zellen unterscheiden, ob das Licht von einem kleinen, hellen oder großen, signalschwachen Objekt ausgeht. Offenbar gibt es zwei unterschiedliche Arten von Nervenzellen in der Netzhaut.

Die eine erkennt kleine, die andere große Objekte. Zusammen liefern sie dem Gehirn die Information zur Unterscheidung dieser Objekte, wie das Uniklinikum Göttingen mitteilt.

Studie mit Salamandern

Entdeckt haben die Wissenschaftler die Nervenzellen und ihre Funktionsweise bei Salamandern. Zellen für große Objekte erhalten zusätzliche hemmende Signale. Die Hemmung entfaltet sich bei starkem Kontrast, also bei besonders hellen Objekten vor dunklem Hintergrund oder umgekehrt.

Kleine, kontrastreiche Objekte aktivieren diese Zellen nicht. Stattdessen feuern die Nervenzellen vermehrt bei großen, kontrast ärmeren Objekten, da nun keine Hemmung auftritt. Bei den Nervenzellen für kleine Objekte fehlt die Hemmung, sodass sie auf kleine, aber kontrastreiche Objekte stark reagieren.

Dem Salamander erlaubt diese Spezialisierung die Unterscheidung zwischen kleinen Beutetieren und großen Fressfeinden, vermuten die Forscher.

Auch beim Menschen könnte die Unterscheidung schon in der Netzhaut stattfinden, sodass man schnell reagieren kann, wenn aus dem Augenwinkel her Gefahr droht.

www.retina.uni-goettingen.de

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