Ärzte Zeitung, 15.08.2016
 

Männer

Graue Substanz bestimmt die Persönlichkeit

STUTTGART. Bestimmte Hirnstrukturen können darauf hinweisen, ob Männer extrovertiert, gewissenhaft und emotional stabil sind. Das deutet eine aktuelle Studie an (Cereb Cortex 2016; online 7. Juli).

Darin haben Neurowissenschaftler den Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit von Männern und der Menge an grauer Substanz in Teilen des Gehirns untersucht, heißt es in einer Mittelung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN).

An der Studie nahmen jeweils 182 Männern und Frauen teil. Dass sich bei Frauen kein Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und der Menge an grauer Substanz zeigte, führen die Forscher auf den Einfluss von Geschlechtshormonen zurück. "Man weiß seit längerem, dass Geschlechtshormone sowohl mit der Persönlichkeit als auch der Neurobiologie verbunden sind", wird Autor Professor Simon B. Eickhoff zitiert, der am Universitätsklinikum Düsseldorf arbeitet.

Persönlichkeit bei Frauen eher von Interaktion der Hirnregionen bestimmt

"Wir vermuten außerdem, dass bei Frauen die Persönlichkeit stärker von der Interaktion zwischen Hirnregionen bestimmt wird und weniger durch das Volumen der grauen Substanz in bestimmten Hirnarealen."

Eickhoff entdeckte einen Zusammenhang zwischen der Menge an grauer Substanz in der betreffenden Hirnregion und Charaktereigenschaften wie Extrovertiertheit, Pflichtgefühl und emotionaler Stabilität – aber eben nur bei Männern.

Da die Region um den Sulcus Parietooccipitalis im Zusammenhang gesehen wird mit Seh- und Wahrnehmungsfunktionen sowie dem Gedächtnis und Impulskontrolle, könnten Männer mit höherem Volumen an grauer Substanz auch in diesen Bereichen bessere Leistungen zeigen, heißt es weiter.

"Dies müsste aber noch einmal gezielt untersucht werden", schränkt der DGKN-Fachmann ein."Genderunterschiede sind in der Vergangenheit oft vernachlässigt worden", sagt der Forscher.

"Dabei unterscheiden sich Männer und Frauen nicht nur in Bezug auf Verhalten und Persönlichkeitsmerkmalen. Auch die neuronalen Korrelate von Persönlichkeitseigenschaften weichen voneinander ab", hebt Eickhoff hervor. Als Verfahren setzte er die sogenannte Voxel-basierte Morphometrie ein, bei der – vereinfacht gesagt – das Volumen an jeder Stelle des Gehirns auf Basis von strukturellen MRT-Aufnahmen geschätzt und dann analysiert wurde.

Der Neurowissenschaftler will jetzt in weiteren Experimenten die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Bezug auf die Interaktion zwischen Hirnregionen, die mit Persönlichkeit in Verbindung stehen, untersuchen, so die DGKN. Praktische Bedeutung könnten die Ergebnisse seiner Arbeit haben bei der Frage, warum bestimmte psychische Erkrankungen häufiger bei Männern beziehungsweise Frauen auftreten. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt Schwung in die Entwicklung neuer Psychopharmaka

Bald könnte es einen Schub für die Entwicklung neuer Psychopharmaka geben. Denn Forscher finden immer mehr über die Entstehung psychischer Erkrankungen heraus. mehr »

Spielt Krebs eine Rolle beim plötzlichen Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod bei einer unbekannten neoplastischen Erkrankung ist selten, aber kommt vor. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. mehr »

Patienten sollen Verdacht auf Nebenwirkung melden

Alle europäischen Arzneimittelbehörden fordern in einer gemeinsamen Kampagne Patienten auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. mehr »