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Gefahr für Ersthelfer

Droht womöglich Demenz?

Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) erhöht möglicherweise das Risiko einer kognitiven Beeinträchtigung. Darauf weisen Untersuchungen hin, die nach den New Yorker Terroranschlägen bei nicht professionellen Ersthelfern gemacht wurden.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Verkehrsunfälle, Anschläge – oft wird man diese Erlebnisse ein Leben lang nicht mehr los.

Verkehrsunfälle, Anschläge – oft wird man diese Erlebnisse ein Leben lang nicht mehr los.

© Photographee.eu / fotolia.com

NEW YORK. Das Grauen der Anschläge auf das World Trade Center hat viele der rund 33.000 Vor-Ort-Helfer nicht mehr losgelassen: Jeder Fünfte hat eine PTBS entwickelt. Nicht wenige von ihnen scheinen jetzt außerdem an kognitiven Beeinträchtigungen zu leiden. In einer Stichprobenuntersuchung war jeder Siebte davon betroffen (Alzheimer's & Dementia 2016; 4: 67-75). Die Studienautoren um Sean A. P. Clouston von der Stony Brook University in New York fordern Psychiater daher auf, bei der Behandlung von traumatisierten Patienten auf kognitive Defizite zu achten.

Daten von 818 Laienhelfern

Die Stichprobe bestand aus 818 Laienhelfern mit PTBS, aber ohne Kopftrauma, die seit 2001 an jährlichen Untersuchungen teilgenommen hatten und zusätzlich 2014/2015 mit dem Montreal Cognitive Assessment getestet worden waren. Dies hatte bei 104 Patienten (12,8 Prozent) eine kognitive Beeinträchtigung und bei 10 (1,2 Prozent) eine mögliche Demenz zutage gefördert. "Das sind schwindelerregende Zahlen in Anbetracht dessen, dass das Durchschnittsalter der Helfer bei 53 Jahren liegt", so Clouston und Kollegen.

Sowohl eine PTBS als auch eine Major-Depression zum Zeitpunkt des kognitiven Assessments waren ungefähr mit einer Verdopplung des Risikos einer kognitiven Beeinträchtigung verbunden. Waren PTBS bzw. Depression hingegen remittiert, zeigte sich kein Zusammenhang mit geistigen Einbußen.

Das einzige PTBS-Symptom, das von Anfang an auf einen späteren kognitiven Abbau hinwies, war das wiederkehrende Wiedererleben der Anschläge: PTBS-Patienten mit solchen Symptomen, egal wann sie auftraten, waren in 2014 / 15 drei- bis viermal so häufig von einer kognitiven Beeinträchtigung betroffen. Ihr Demenzrisiko war um das 17-Fache erhöht.

Bei anderen PTBS-Symptomen wie Vermeidung, erhöhter Schreckhaftigkeit, emotionaler Abstumpfung oder depressiven Symptomen war das Ausgangsniveau unerheblich für die Entwicklung kognitiver Defizite. Diese Symptome nahmen aber bei Patienten, die heute kognitive Einbußen aufweisen, schneller zu als bei Patienten, deren geistige Leistungsfähigkeit nicht vermindert ist.

Ähnliche Daten von Kriegsveteranen

Die Studie bestätigt den Autoren zufolge Beobachtungen bei Kriegsveteranen. In einer großen Studie war eine PTBS mit einer Verdopplung des Demenzrisikos assoziiert gewesen.

Dass vor allem das Wiederdurchleben von traumatischen Ereignissen die Kognition mindern kann, halten die New Yorker Autoren für biologisch plausibel. Als mögliche Ursache sehen sie die erhöhte allostatische Last, also eine durch den chronischen Stress induzierte dauerhafte Verschiebung von Sollwerten.

Gemeinsamer Faktor?

Es kann natürlich auch sein, dass es einen gemeinsamen Faktor gibt, der Menschen anfällig für Symptome des Wiedererlebens und für kognitive Beeinträchtigungen macht. Möglicherweise sind aber auch durch das Wiedererleben verursachte Störungen des Schlafzyklus bei der Entstehung kognitiver Defizite beteiligt.

Ärzte, die PTBS-Patienten behandeln, so das Team um Clouston, müssten sich des möglichen Zusammenhangs mit kognitiven Einbußen bewusst sein. Diese könnten den Verlauf der PTBS verschlimmern und auch die Therapieadhärenz und den Umgang der Patienten mit der Erkrankung beeinträchtigen.

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