Ärzte Zeitung online, 14.08.2013
 

Schwere Depression

Hirn-Scan sagt Therapieerfolg vorher

BERLIN. Eine nuklearmedizinische Untersuchung könnte Psychiatern künftig helfen, die richtige Entscheidung zur Behandlung bei schwerer Depression zu treffen.

Ob Medikamente oder eine Psychotherapie (kognitive Verhaltenstherapie) besser wirken, konnten US-Mediziner an der Aktivität in einer bestimmten Hirnregion vorhersagen (JAMA Psychiatry 2013, 70(8): 821-829).

Die Untersuchung könnte die Behandlung bei Depressionen verbessern und das Verständnis der Erkrankung verändern, teilt der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN) mit.

Oft vergehen Monate bis zum Therapieerfolg

Medikamente und Psychotherapie sind bei Depressionen ja häufig konkurrierende Behandlungsmethoden. Beide Therapien führen auf Anhieb nur bei etwa 40 Prozent der Patienten zum Erfolg, und manchmal vergehen mehrere Monate, bis ein wirksames Mittel gefunden ist, erinnert der BDN.

"In den vergangenen Jahren wurden daher Anstrengungen unternommen, um anhand von Symptomen, Labortests oder der Bestimmung der Hirnströme den Therapieerfolg vorherzusagen", wird Professor Detlef Moka, Vorsitzender des BDN, zitiert. "Doch ein geeigneter Biomarker wurde bisher nicht gefunden."

Mediziner der Emory Universität in Atlanta/Georgia scheinen jetzt mit einer nuklearmedizinischen Untersuchung mehr Erfolg gehabt zu haben.

Die Forscher nutzen die Möglichkeiten der Positronen-Emissions-Tomografie (PET), die den Glukoseverbrauch und damit die Aktivität in den einzelnen Hirnregionen misst.

Insula im Fokus

Das US-Forscherteam um Helen Mayberg hatte nun die Idee, bei den Aufnahmen auf die Aktivität in der Inselrinde oder Insellappen zu achten, berichtet der BDN.

"Die Insula gehört zu den Schaltstellen des Gehirns, die das Gefühlsleben beeinflussen, und der vordere Abschnitt wurde schon länger mit der schweren Depression in Verbindung gebracht", erläutert Moka.

Ergebnis der US-Studie: Ein verminderter Glukoseverbrauch in der Insula im Vergleich zum restlichen Großhirn ist mit guten Erfolgschancen einer kognitiven Verhaltenstherapie verbunden.

Patienten mit einem gesteigerten Glukoseverbrauch in der Insula sprechen dagegen eher auf eine medikamentöse Therapie mit Antidepressiva an.

Die Studie war mit 67 Teilnehmern relativ klein. Sollten sich die Ergebnisse aber in weiteren Studien bestätigen, wären sie von großer Bedeutung nicht nur für die Therapie, sondern auch für das Verständnis der Depression.

Die gegensätzliche Aktivierung der Insula könnte nach Ansicht von Moka auch darauf hinweisen, dass es zwei Varianten der schweren Depression gibt, die unterschiedlich behandelt werden müssen und denen möglicherweise auch verschiedene Ursachen zugrunde liegen.

"Die PET-Technik könnte helfen, die Grundlagen der Erkrankung besser auszuleuchten", so Moka. (eb)

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