Ärzte Zeitung, 08.03.2005

Therapie-Optionen bei Parkinson-Obstipation

Nachweis verlängerter Kolontransit-Zeiten mit röntgendichten Markern / Macrogol als Option bei sehr trägem Darm

FRANKFURT AM MAIN (mar). Obstipationen gehören zu den häufigen vegetativen Störungen bei idiopathischem Parkinson-Syndrom. Therapie-Optionen sind mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag zu trinken, Macrogole oder das Absetzen von Anticholinergika.

Ursache der Obstipation ist meist eine verlangsamte Kolontransit-Zeit. Bewegungsmangel, zu wenig Flüssigkeitszufuhr und ballaststoffarme Ernährung, aber auch Anticholinergika können die Verstopfung verstärken. Darauf wies Professor Wolfgang Jost von der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden beim Parkinson-Kongreß in Frankfurt am Main hin.

Zum Nachweis einer verzögerten Darmpassage am besten geeignet seien Röntgenaufnahmen des Abdomens. Dafür schlucken die Patienten zuvor mit röntgendichten Markern gefüllte Gelantinekapseln. Die verzögerte Verteilung der Marker im Darm belegt die verlangsamte Transitzeit.

Täglicher Stuhlgang sei übrigens kein Indiz für eine normale Kolontransit-Zeit, betonte Jost. Bei verzögerter Darmpassage trotz täglichen Stuhlgangs sind röntgendichte Marker durchaus noch sechs Tage nach Einnahme im Kolon nachzuweisen.

Zur Therapie empfiehlt Jost, Anticholinergika nach Möglichkeit abzusetzen. Zudem sollte auf eine ballaststoffreiche Kost geachtet werden, außerdem sollten die Patienten mindestens zwei Liter Flüssigkeit am Tag trinken. Die Einnahme zusätzlicher Ballaststoff-Präparate sowie ausreichend Bewegung oder Physiotherapie können hilfreich sein. Domperidon, das bei verzögerter Magenentleerung gut wirksam ist, habe sich bei Obstipation nicht bewährt, so Jost.

Bei stark verlängerter, über mehrere Tage dauernder Kolontransit-Zeit reichen die genannten Maßnahmen allerdings nicht aus. Nach Erfahrungen von Jost profitieren Betroffene von einer Therapie mit Macrogol, das die Darmpassage beschleunigt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Rettungsgasse blockieren kostet 320 Euro

Länderkammer verschärft die Bußgeldhöhe, wenn Rettungsgassen nicht beachtet werden. mehr »

Palliativmedizin erfordert Zusatzqualifikation

Die Debatte um die Verpflichtung von Hausärzten zur Zusatzausbildung in Palliativmedizin schlägt hohe Wellen. In der KBV-Vertreterversammlung am Freitag wurde KBV-Vize Hofmeister nun grundsätzlich. mehr »