Ärzte Zeitung, 13.12.2007

Plädoyer für die frühe Therapie von MS-Kranken

Schubrate wird verringert

BERLIN (gvg). Bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) sollte die immunmodulierende Therapie möglichst früh gestartet werden. Darauf haben Multiple-Sklerose-Spezialisten aus Anlass der Einführung von intramuskulär injiziertem Interferon beta-1a vor zehn Jahren jetzt erneut hingewiesen.

Durch die Therapie mit diesem Interferon beta-1a-Präparat (Avonex®) kann die Schubrate bei Patienten mit schubförmiger MS um ein Drittel verringert werden. Damit lässt sich die Progression der körperlichen Einschränkung in ähnlichem Umfang verlangsamen, erinnerte Professor Heinz Wiendl von der Universität Würzburg auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Berlin.

Für einen möglichst frühen Therapiebeginn bei den Patienten sprechen dabei zum Beispiel Ergebnisse der CHAMPS×-Studie. Danach verzögert die intramuskuläre Therapie mit Interferon beta-1a bei Patienten nach einem ersten isolierten klinischen Syndrom und bei MS-typischen Kernspin-Befunden einen zweiten MS-Schub. Das ist bekanntlich das Kriterium für eine klinisch definierte MS.

Nach drei Jahren war bei den Patienten, die Placebo erhalten hatten, bei der Hälfte eine definitive Multiple Sklerose diagnostiziert worden. Von den Patienten, die Interferon erhalten hatten, war das dagegen nur bei 35 Prozent der Fall.

"Die kürzlich publizierte Langzeitauswertung dieser Studie hat ergeben, dass der Unterschied auch nach 79 Monaten noch besteht", so Wiendl auf der von dem Unternehmen Biogen unterstützten Veranstaltung. Der Experte plädierte deswegen für eine möglichst frühe immunmodulatorische Therapie der Patienten.

Das intramuskulär applizierbare Interferon beta-1a bewertete Wiendl als günstige Option, weil die Immunogenität dieses Mittels geringer sei als bei subkutan verabreichten Präparaten. Lediglich bei zwei bis sechs Prozent der mit dem Wirkstoff behandelten Patienten sei mit der Entwicklung neutralisierender Antikörper zu rechnen. Diese Tatsache zusammen mit der geringeren Injektionsfrequenz von einmal wöchentlich könnte die hohe Therapieadhärenz bei MS-Patienten erklären, die dieses Präparat bekommen.

* Das Akronym CHAMPS bedeutet:

Controlled High-Risk Subjects Avonex MS Prevention Study

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Unterwegs mit dem ADAC-Ambulanzjet

Wer auf Auslandsreisen krank wird, der ist froh, wenn schnelle Hilfe naht. Besonders zügig geht das mit einem Ambulanzjet - etwa vom ADAC. mehr »

Ein Besuch auf der Messe "Medicare Taiwan"

Taiwans Medizintechnikunternehmen gelten als Powerhouse - und sie suchen den Schulterschluss mit internationalen Partnern. Die "Medicare Taiwan" ist DER Branchentreff – ein Fachmessebesuch in Taipeh. mehr »

Extra-Vergütung für offene Sprechstunden

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will Ärzte für offene Sprechstunden besser bezahlen. Die zusätzliche Vergütung soll es auch dann geben, wenn Ärzte Termine über die Terminservicestellen annähmen.. mehr »