Ärzte Zeitung, 28.03.2012

Fachkliniken Nordfriesland: Mehr Plätze für Glücksspiel-Süchtige

Weil die Warteliste immer länger wurde, haben die Fachkliniken Nordfriesland ihre Kapazität verdoppelt.

RIDDORF (di). Die zunehmende Glücksspielsucht führt zu einem erhöhten Bedarf an Therapieplätzen in der Reha. Die Fachkliniken Nordfriesland verdoppeln ihre Behandlungskapazitäten von zwölf auf 24.

Über 200.000 Menschen in Deutschland gelten als pathologische Spieler. "Nicht nur Glücksspiele um Geld, wie beispielsweise Roulette, haben ein suchterzeugendes Potenzial, sondern auch bestimmte Computerspiele", sagte Dr. Rainer Petersen, Leiter der Rehabilitations-Abteilung der Fachkliniken Nordfriesland.

Die Einrichtung hat in den vergangenen Jahren eine immer länger werdende Warteliste für Therapieplätze verzeichnet.

Die Glücksspielsucht, aber auch ein krankhafter PC-Gebrauch, geht nach Angaben von Psychotherapeut Michael Immelmann häufig mit anderen psychischen Erkrankungen einher: "Bei der klassischen Glücksspielsucht leiden oft vor allem die Familienmitglieder mit unter der Spielsucht, denn hohe Schulden sind eine der häufigsten Folgen dieser Abhängigkeitserkrankung."

Vielen Spielern fehlt es an Einsicht

Eines der größten Probleme ist die häufig fehlende Krankheitseinsicht. Nur etwa jeder Zwanzigste begibt sich in die Behandlung oder sucht eine Beratungsstelle auf. Nach Angaben der Fachkliniken Nordfriesland ist eine Behandlung erfolgversprechend.

Im Vergleich zu anderen Suchterkrankungen sei die Rückfallgefahr geringer und die Erfolgsquote mit 69 Prozent abstinenter oder deutlich gebesserter Patienten nach einer Therapie als gut einzuschätzen.

Die Reha in Nordfriesland dauert sieben Wochen und wird von Kassen oder Rentenversicherung getragen, nach Einweisung durch niedergelassene Ärzte oder Beratungsstellen.

Nordfriesland ist im Norden der einzige Anbieter in der Reha von Spielsucht und von Mediensucht. Dort wird von einer Suchterkrankung ausgegangen.

Im Unterschied dazu behandeln andere Anbieter etwa Mediensucht als ein Symptom einer psychosomatischen Grunderkrankung, beispielsweise einer Depression, als Komorbidität mit.

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