Ärzte Zeitung App, 28.08.2014

Hörschaden

Blauer Dunst schlägt auf die Ohren

Rauchen und auch Passivrauchen erhöhen anscheinend das Risiko für Hörschäden. Britische Forscher haben herausgefunden: Je mehr gequalmt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Gehör verschlechtert.

Von Elke Oberhofer

Blauer Dunst schlägt auf die Ohren

Kann nicht verstehen! Je länger und je mehr Menschen in ihrem Leben bisher geraucht haben, desto höher ist ihr Risiko für Schwerhörigkeit.

© ArTo / fotolia.com

MANCHESTER. Ob und in welcher Richtung sich Zigarettenrauchen und Alkoholkonsum auf das Gehör auswirken, haben britische Forscher untersucht. Analysiert haben sie Daten aus der UK Biobank.

In dem Register werden Umwelteinflüsse im Zusammenhang mit Erkrankungen erfasst. Ausgewertet wurden Daten von 164.000 Personen im Alter von 40 bis 69 Jahren, die sich einem Hörtest unterzogen hatten (JARO 2014; 15: 663).

Als Hörschaden definierten die Studienautoren um Piers Dawes von der Universität Manchester im Bereich zwischen 500 und 4000 Hz eine Schwelle von mehr als 25 dB Hörverlust im Vergleich zu gesunden Ohren.

Als Hörtest war der Digit Triplet Test (DTT) verwendet worden: Dieser misst das Vermögen, Sprachstimuli vor einer Kulisse von Hintergrundgeräuschen zu erkennen. Die Ergebnisse werden in Form von Skalenwerten angegeben, dem Signal to Noise Ratio (SNR).

Dabei entsprechen niedrigere Werte einem besseren Hörvermögen. Als Referenzgruppe diente den Forschern eine Gruppe von Teilnehmern im Alter zwischen 18 und 29 Jahren mit normaler Hörfähigkeit.

Studie mit 21.260 Teilnehmern

Untersucht wurden Testergebnisse von 21.260 Teilnehmer mit eingeschränktem Hörvermögen sowie das Rauchverhalten und der Alkoholkonsum der Probanden. Die Ergebnisse wurden mit einer Referenzgruppe verglichen.

Ergebnis: Beide Faktoren nahmen maßgeblichen Einfluss auf das Hörvermögen. Wer zum Zeitpunkt der Untersuchung Raucher war, hatte im Vergleich zu Nichtrauchern ein um gut 15 Prozent höheres Risiko, schlecht zu hören. Dieser Unterschied ist signifikant.

Ex-Raucher dagegen waren sogar gegenüber Nie-Rauchern im Vorteil. Wie die Forscher spekulieren, könnte dies aber auch mit einem nach dem Rauchstopp besonders gesundheitsbewussten Verhalten zusammenhängen.

Auf der anderen Seite waren Teilnehmer, die - egal wie viel - Alkohol konsumierten, insgesamt um 40 Prozent weniger gefährdet, einen Hörschaden zu erleiden, als lebenslängliche Abstinenzler. Dies überrascht insofern, als man eigentlich eine U-förmige Verteilung erwartet hätte.

Mäßige Mengen Alkohols hätten demnach in einem geringeren Risiko für Schwerhörigkeit resultieren müssen, große Mengen in einem höheren Risiko. Tatsächlich war der Alkohol vor allem dann protektiv, wenn er zu einer Mahlzeit genossen wurde.

Ursächlich vermuten die Forscher entweder eine Blutdruckabnahme, eine gesteigerte Fibrinolyse, steigende HDL-Werte, eine verminderte Resorption oder eine verstärkte Elimination des Blutalkohols. Das Glas Wein zum Essen könnte aber auch Zeichen eines höheren Lebensstandards sein, der die Betroffenen möglicherweise vor Hörschäden schützt, so die Überlegung der Autoren.

Effekt ist dosisabhängig

Bei den Rauchern zeigte sich eine deutliche Dosisabhängigkeit: Je mehr Packungsjahre sie auf dem Buckel hatten, desto höher war das Risiko für einen Hörschaden. In der höchsten Quartile war das Risiko gegenüber der niedrigsten um den Faktor 1,3 erhöht.

Bemerkenswert für die Forscher: Auch Passivrauchen schadet offenbar dem Gehör (OR 1,28). Und auch hier zählte der Zeittraum, über den die Betroffenen den blauen Dunst abbekamen.

Die Ergebnisse, so die Forscher, waren zwar um viele Einflussfaktoren wie Lärm- (auch Musik-)Exposition, Bluthochdruck, Übergewicht, kardiovaskuläre Erkrankungen oder die Einnahme ototoxischer Medikamente bereinigt.

Trotzdem sei es möglich, dass der Effekt durch Faktoren beeinflusst war, die man nicht gemessen hatte. So spielen zum Beispiel auch genetische Zusammenhänge in puncto Hörverlust eine wichtige Rolle.

Rückschlüsse auf die Ursache der Hörschäden lassen sich auf der Grundlage der Querschnittsstudie nicht ziehen, betonen die Autoren. Sie vermuten aber außer kardiovaskulären Effekten auch einen direkten ototoxischen Effekt des Tabakrauchs.

[28.08.2014, 11:24:26]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Frei von Denk- und Hörvermögen?
Herrlich, Herr Kollege PD Dr. Thomas Weiser! Denn die lt. WHO weltweit niedrigere Geburtenrte korreliert umgekehrt proportional mit dem vermehrten Gebrauch von Plastiktüten - und diese werden nun wirklich nicht, von exotischen Ausnahmen abgesehen, zur Empfängnisverhürung verwendet.

Meine Vermutung ist, dass die Studienautoren schlicht und ergreifend vergessen haben, dass Schwerhörige die Aufforderung, doch e n d l i c h mit dem Rauchen aufzuhören, nicht mehr hören können oder wollen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[28.08.2014, 08:33:16]
PD Dr. Thomas Weiser 
Oh Herr, wirf Hirn (und epidemiologische Kenntnisse) vom Himmel....
Schon wieder eine Studie, die die Korrelation von Ereignissen hoffnungslos überbewertet! Rauchen und eingeschränktes Hörvermögen sind assoziiert - ob man von Rauchen nun schlecht hört, oder Schwerhörige mehr rauchen, ist bei dieser Art der Datenerhebung NICHT zu klären! Die Autoren -wie üblich- überinterpretieren die Ergebnisse hemmungslos und fügen das Alibi-Sätzchen an, dass mit den Untersuchungen keine Kausalität gezeigt wird (aber vorher schwadronieren sie hemmungslos über Kausalitäten).

Unerträglich! Gibt es eigentlich einen CONSORT-ähnlichen Kriterienkatalog für die Publikation epidemiologischer Daten?  zum Beitrag »

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