Ärzte Zeitung, 13.06.2017

Rheinland-Pfalz

Prävention: Muster erkennen!

Um junge Menschen vom Drogenkonsum abzuhalten, reichen Einheitsstrategien nicht aus.

MAINZ. Das detaillierte Wissen darüber, welche Faktoren Jugendliche in ihren Entscheidungen beeinflussen, kann dabei helfen, ihnen Präventionsangebote zu bieten, die sie tatsächlich erreichen. Das wurde bei der Drogenkonferenz des Landes Rheinland-Pfalz deutlich, zu der 300 Vertreter der Suchtkrankenhilfe nach Mainz kamen. Eingeladen hatte die Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz (LZG) im Auftrag des Gesundheitsministeriums.

"Mit dieser Tagung wollen wir der Frage nachgehen, was junge Menschen heute beschäftigt, welchen Erfahrungen und Einflüssen sie ausgesetzt sind und welche Schlüsse wir daraus für die Suchthilfe ziehen müssen", sagte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) bei der Eröffnung. "Mit dem Wissen über Konsumursachen und Konsummuster ist es möglich, die Angebote und Maßnahmen noch passgenauer zu gestalten."

Dass manche Jugendliche mehrere Substanzen nebeneinander konsumieren, sei besonders gefährlich, erklärte Dr. Samuel Tomczyk vom Institut für Therapie- und Gesundheitsförderung IFT-Nord in Kiel. Dies erhöhe deutlich die Risiken für Unfälle, langfristige Schädigungen und Erkrankungen.

Ob aus dem alterstypischen Experimentieren mit psychoaktiven Substanzen ein problematischer Gebrauch oder gar eine Abhängigkeit wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Dr. Edelhard Thoms, in Marburg als Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und als Traumatherapeut tätig, nannte belastende Kindheitserfahrungen als besondere Risikofaktoren: Emotionaler und sexueller Missbrauch, körperliche Misshandlung, Vernachlässigung sowie eine psychische Erkrankung oder Suchterkrankung der Eltern seien die in dieser Hinsicht bedeutsamsten widrigen Kindheitserfahrungen. Ebenfalls problematisch sei es, wenn Alkohol oder illegale Drogen zur Bewältigung von aktuellen psychosozialen Belastungssituationen eingesetzt würden. (aze)

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