Ärzte Zeitung, 07.10.2005

Schmerztherapie - nicht jeder erwartet das Gleiche

Schmerzexperte plädiert für verstärkte Kooperation zwischen Arzt und Patient / Studie mit über 5000 Patienten

HAMBURG (awa). Vielen Patienten mit chronischen Schmerzen genügt es nicht, daß der Schmerz mit Medikamenten um 50 oder 30 Prozent verringert wird. Diese Parameter dienten zwar in Zulassungsstudien als Wirksamkeitsbeleg für Analgetika, versagten aber im Praxisalltag, so Dr. Gerhard Müller-Schwefe.

"Notwendig ist vielmehr ein auf die Bedürfnisse des einzelnen Schmerzpatienten ausgerichtetes individuelles Behandlungsziel, das Patient und Arzt gemeinsam besprechen und während der Schmerztherapie überprüfen", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS) aus Göppingen.

Der Schmerz müsse auf ein für den einzelnen Patienten erträgliches Niveau verringert werden, denn Schmerzen würden sehr unterschiedlich empfunden und ertragen. Gut ermitteln ließen sich aktueller Schmerz und individuelles Behandlungsziel (IBZ) auf einer analogen Skala von 10 (größter Schmerz) bis 0 (schmerzfrei).

Das IBZ-Konzept im Vergleich zum etablierten Behandlungsziel - 30- und 50prozentige Schmerzreduktion - wurde auch bei einer prospektiven Befragung von 5169 Patienten mit chronischen Schmerzen, die eine medikamentöse Therapie erhielten, untersucht. Die Befragung ergab, daß nur zehn Prozent der Patienten völlige Schmerzfreiheit als Ziel hatten.

Sie ergab außerdem, daß eine Schmerzreduktion um 30 Prozent nur bei 0,6 Prozent der Patienten mit ihrem IBZ übereinstimmte. Selbst bei einer Schmerzreduktion um 50 Prozent war das nur bei 17 Prozent der Patienten der Fall, wie Müller-Schwefe auf einer von Mundipharma unterstützten Veranstaltung in Hamburg berichtete.

Demzufolge beurteilten auch nur 29 Prozent der Patienten eine 30prozentige Schmerzreduktion als befriedigend. 52 Prozent beurteilten sie als ausreichend und 8,3 Prozent als mangelhaft. Bei 50prozentiger Schmerzlinderung vergaben 22 Prozent der Patienten die Note gut, 29 Prozent die Note befriedigend und 18 Prozent die Note ausreichend.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Neue Arzneien zum Schutz vor Brüchen

Osteoporose wird oft übersehen. Der Welt-Osteoporose Tag rückt die Erkrankung ins Bewusstsein. Zum Schutz vor Frakturen werden derzeit neue Substanzen erprobt. mehr »

Vergangenheit, die nicht vergeht

Ramstein, Eschede, Loveparade in Duisburg: Großunglücke lassen bei Opfern und oft auch bei Einsatzkräften seelische Wunden zurück. Psychotraumatologen können den Betroffenen in der Regel gut helfen. mehr »

Politik hat die Bedeutung der Arzneimittelforschung erkannt

Gute Versorgungsideen sind in der Politik willkommen, stellte Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Springer Medizin Gala zum Galenus-von-Pergamon-Preis klar. mehr »