Ärzte Zeitung, 11.01.2007

Ausgeklügelte Schmerztherapie für alte Patienten

Flexibilität erleichtert Therapie bei tageszeitlich schwankenden Schmerzen / Blick auf Komedikation ist wichtig

HAMBURG (KHS). Bei der Schmerztherapie multimorbider Patienten sind Interaktionen und die Kumulation von Medikamenten oft schwierig zu vermeiden. Das muss bei der Schmerztherapie berücksichtigt werden - vor allem, wenn mehrere Medikamente über die Cytochrom-P-450-Enzyme von Leber und Darm abgebaut werden.

An dieses Risiko hat Dr. Uwe Junker beim Palliativmedizin-Kongress in Hamburg erinnert. Zum Beispiel lasse die Kapazität dieses Enzymsystems bei alten Menschen erheblich nach. Daher seien bei alten Patienten in der Schmerztherapie als "CYP-neutral" eingestufte Substanzen zu bevorzugen.

Dazu gehören nach den Angaben des Chefarztes am Sana Klinikum Remscheid die Schmerztherapeutika Hydromorphon, Gabapentin und Pregabalin. Hydromorphon wird über die Glucuronyltransferase verstoffwechselt, zeichne sich darüber hinaus mit nur acht Prozent durch eine geringe Plasmaeiweißbindung aus, so Junker auf dem vom Unternehmen Mundipharma organisierten Satellitensymposium.

      Tumorkranke brauchen am Tag die meisten Analgetika.
   

Bei diesen Analgetika bestehe die Möglichkeit, flexibel auf den spezifischen "Schmerz-Biorhythmus" von Patienten mit chronischen Schmerzen einzugehen. Das sei ein wichtiges Kriterium für die Indikation. Junker kritisierte in diesem Zusammenhang die "starre" Anwendung von Schmerzpflastern oder oralen Analgetika, die nur einmal täglich appliziert werden. Nach Junkers Ansicht wird eine solche Therapie den tageszeitlich schwankenden Schmerzen nicht ausreichend gerecht. So haben Patienten mit Tumoren - von Ausnahmen abgesehen - den höchsten Analgetikabedarf zwischen 10 und 22 Uhr. Nachts sei die Dosis dann zu hoch und tagsüber benötigten die Patienten signifikant häufiger eine analgetische Zusatzmedikation als bei einer individuellen Therapie.

Junker bevorzugt deshalb Retard-opioide wie das Hydromorphon Palladon®. Es steht in vier Wirkstärken (4, 8, 16 und 24 mg) zur Verfügung. Dafür sei zweimal täglich eine orale Applikation vorgesehen. So könnten Kollegen auf den Bedarf der Patienten und die Stoffwechsellage und die Komedikation weitgehend eingehen, sagte Junker.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So will Deutschland den Zuckerberg bezwingen

16:00 UhrZu viel und zu schlecht gekennzeichnet: Zucker versteckt sich in vielen Fertigprodukten. Das erschwert eine gesunde Ernährung. Die Politik will nun eingreifen. mehr »

Der Transgender-Trend

Paradigmenwechsel? Transsexuelle lassen sich sogar selbstbewusst für den "Playboy" ablichten. Psychiater warnen aber vor einem Geschlechtsdysphorie-Hype unter Jugendlichen. mehr »

Deshalb gibt's immer mehr Parkinsonkranke

Die absolute Zahl der weltweiten Parkinsonkranken hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Forscher haben eine Vermutung, warum der Anstieg in manchen Ländern so stark ist. mehr »