Ärzte Zeitung, 04.09.2007
 

Antikonvulsivum wirkt auch gegen eine Fibromyalgie

Pregabalin in USA in dieser Indikation zugelassen

BRÜSSEL (grue). Das Antikonvulsivum Pregabalin moduliert die Neurotransmitterausschüttung in Hirn und Rückenmark. Außer bei peripheren und zentralen neuropathischen Schmerzen wirkt das Medikament auch bei Fibromyalgie.

Pregabalin (Lyrica®) wird in Europa als Add-on-Therapie bei Epilepsien sowie bei Neuropathien und generalisierten Angststörungen angewendet. In den USA wurde das Medikament kürzlich auch für Patienten mit Fibromyalgie zugelassen, denn zwei Studien hatten die Wirksamkeit bei Fibromyalgie nachgewiesen.

Pregabalin bindet an eine bestimmte Untereinheit spannungsabhängiger Kalziumkanäle, die alfa-2-delta-Untereinheit. Es reguliert so die Freisetzung mehrerer Neurotransmitter wie Glutamat und Substanz P, die bei chronischen Schmerzen vermehrt ausgeschüttet werden. Damit greift die Substanz in komplexe Vorgänge der Schmerzverarbeitung auf Hirn- und Rückenmarkebene ein, wie Professor Anthony Dickenson aus London bei einer Veranstaltung des Unternehmens Pfizer beim Europäischen Neurologen-Kongress in Brüssel erläutert hat. "Pregabalin lindert aber nicht nur Schmerzen, sondern bessert auch Schlafstörungen und Ängstlichkeit", so Dickenson.

Dies erkläre auch die gute Wirksamkeit von Pregabalin bei Fibromyalgie. An den beiden Placebo-kontrollierten Fibromyalgie-Studien haben insgesamt über 2500 Patienten teilgenommen, die 300 bis 600 mg Pregabalin pro Tag oder Placebo erhielten. Bereits ab der ersten Woche hatten die mit Verum behandelten Patienten signifikant weniger Schmerzen, außerdem besserten sich Fatigue und Schlafstörungen.

Ein schneller schmerzstillender Effekt und eine günstige Wirkung auf den Nachtschlaf sind für Pregabalin auch in anderen Studien belegt, ergänzte Professor Thomas Tölle aus München. Das gelte etwa für Patienten mit Zoster-Neuralgie und solche mit diabetischer peripherer Neuropathie. "Fast die Hälfte der Teilnehmer dieser Studien erreichten damit eine Schmerzreduktion um mindestens 50 Prozent", so Tölle.

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