Apotheker plus, 16.12.2011

Manchmal ist Reden Gold

Kommunikation ist ein wichtiges Mittel guter pharmazeutischer Arbeit. Das gilt gerade bei Patienten mit chronischen Schmerzen, damit sie ihre Medikamente richtig und regelmäßig einnehmen.

Von Thomas Meißner

Manchmal ist Reden Gold

Wird die Einnahme von Medikamenten genau besprochen, werden sie auch eher genommen.

© ABDA

Das Einhalten des Therapieplans ist bei Patienten mit chronischen Schmerzen - wie bei vielen anderen chronischen Krankheiten auch - häufig ein Problem. Um diese Compliance zu verbessern, gilt es aufmerksam zu sein und die richtigen Fragen zu stellen.

Oft klagen Patienten: "Jetzt habe ich zwar kaum noch Schmerzen, aber mir ist dauernd übel!" Gerade in den ersten zehn bis vierzehn Tagen brechen Patienten mit chronischen Schmerzen die Analgetikabehandlung mit Stufe-III-Opioiden häufig ab.

Der Grund dafür sind die in der ersten Woche besonders häufig auftretende Übelkeit sowie Erbrechen.

Darauf gelte es die Patienten hinzuweisen sowie vorzubeugen, sagt Michael Höckel, Leiter der Zentralapotheke am Eisenacher Klinikum St. Georg: "Der Doktor hat ja sicher mit Ihnen darüber gesprochen. Wir gehen davon aus, dass in den ersten Tagen Übelkeit auftritt. Deshalb sollen Sie zusätzlich Metoclopramid-Tropfen nehmen."

Verstopfung ist die zweite klassische Nebenwirkung von Opioiden, mit dem Unterschied, dass diese dauerhaft ein Problem sein kann. Im Allgemeinen dürfte der Schmerztherapeut vorbeugend bereits ein Mittel rezeptiert haben, wenn nicht gerade eine Fixkombination mit Naloxon (zum Beispiel Oxicodon/Naloxon) verordnet worden ist.

Macrogol hat dabei Lactulose, die zu Blähungen führt, weitgehend abgelöst. Das in Wasser aufzulösende Mittel ist zugleich ein guter Anlass, nach den Trinkgewohnheiten zu fragen - gerade im Zusammenhang mit Verstopfungen ein wichtiger Aspekt.

Man sollte offene Fragen stellen, etwa: Wie nehmen Sie denn Ihre Tabletten ein? "Die meisten machen dann schon diese typische Handbewegung: mit einem Schluck Kaffee", so Höckel.

Tipps zum Trinkverhalten bei Obstipation wichtig

Er schließt gerne die Frage an: "Was meinen Sie, wie viel müssen Sie pro Tag trinken?" Kommt die richtige Antwort - 1,5 bis zwei Liter - folgt: "Ja schaffen Sie das denn?" Ein guter Tipp dazu ist, sich morgens zwei Flaschen Mineralwasser oder die entsprechende Menge Tee gleich auf den Tisch zu stellen.

Abends muss dies dann ausgetrunken sein. Befindet sich der Patient in Behandlung beim Nierenspezialisten, muss natürlich dort die tägliche Trinkmenge besprochen werden.

Um Vergesslichkeit und Verwechslungen vorzubeugen, rät Höckel, Aufkleber auf die Medikamentenpackungen mit der Beschriftung zum Beispiel "gegen Schmerzen" sowie mit der Dosierungsangabe und dem Einnahmemodus aufzubringen.

So komme es immer wieder vor, dass Schmerzpatienten Metoclopramid- und Metamizol-Tropfen verwechselten. "Wenn jemand weiß, was er da einnimmt, wird demjenigen eher klar, dass dies tatsächlich wichtig für ihn ist", betont Höckel.

Günstig sei zudem ein Medikationsplan, der entweder vom Haus- oder Facharzt oder in der Apotheke erstellt wird. Hilfreich ist zudem, wenn sich im Medikationsplan oder im Schmerztagebuch ankreuzen lässt, ob die Tabletten genommen wurden oder nicht. Denn in der täglichen Routine ist es nur menschlich, wenn man sich daran nicht erinnern kann. Die Alternative ist das Vorsortieren der Tagesmedikation in Dosierboxen.

Interaktion erst mit dem Arzt, dann mit dem Patienten klären

Wer sich gelegentlich das Schmerztagebuch zeigen lässt, erfährt unter Umständen auch den Grund, warum jemand in dieser oder jener Situation Schmerzen hatte, etwa weil er die Tropfenflasche nicht unterwegs mitnimmt. Mit Erlaubnis des Kunden kann man dann Rücksprache mit dem Therapeuten aufnehmen und die Umstellung auf Bukkal- oder Sublingualtabletten gegen die Schmerzspitzen besprechen.

Überhaupt sei es wichtig, mit dem Arzt an einem Strang zu ziehen, alles andere verunsichere die Patienten, sagt Höckel. Das gilt auch für den Interaktionscheck mit Hilfe der Apothekensoftware. Statt den Patienten auf potenzielle Probleme aufmerksam zu machen, die womöglich gar nicht bestehen, sollte man lieber neutral nachfragen: Wie geht es Ihnen, vertragen Sie die Mittel gut?

"Wenn ein Patient dann zum Beispiel Schwindel andeutet, hat man ein Symptom. Auf dieser Grundlage kann man potenziellen Wechselwirkungen noch einmal auf die Spur gehen" so der Pharmazeut.

Dazu sollten möglichst mehrere Datenbanken genutzt werden. Er selbst benutzt außer der ABDA-Datenbank noch die US-amerikanische Datenbank "Clinical Pharmacology" sowie die europäische Epocrates®-Datenbank.

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