Ärzte Zeitung App, 02.12.2013
 

Kommentar zur Schmerzstudie

Stumme Schreie von Demenzkranken

Elke Oberhofer

Für die meisten Menschen ist die Aussicht, den Lebensabend in einem Pflegeheim verbringen zu müssen, alles andere als rosig.

Nicht nur vor dem Alter an sich fürchten sich viele, sondern auch vor Schmerzen, vor Hilflosigkeit, der Abhängigkeit vom Pflegepersonal, vor allem dann, wenn nicht nur die körperlichen, sondern auch die geistigen Kräfte nachlassen.

Neue Daten aus 175 Pflegeeinrichtungen in Frankreich lassen das Herz sinken: Demenzpatienten erhielten deutlich seltener Analgetika als Bewohner im Besitz ihrer geistigen Kräfte. Das ist erschreckend, aber kein rein französisches Phänomen.

Die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes hat schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass bei fortgeschrittener Demenz "das Risiko einer nicht hinreichenden Schmerzbehandlung steigt".

Einer der Gründe für das Dilemma ist, dass viele Pflegende die Schmerzäußerungen ihrer Schützlinge fehlinterpretieren. Wer denkt schon an ein Analgetikum, wenn der Betroffene keucht, Grimassen schneidet oder die Fäuste ballt? Das Sedativum ist da viel schneller bei der Hand.

Die Herausforderung besteht darin, untypische Schmerzäußerungen richtig zu deuten. Dafür gibt es geeignete Instrumente wie den BESD-Fragebogen (Beurteilung von Schmerzen bei Demenz). Es wird Zeit, dass die Schmerztherapie bei Demenzpatienten in diesem Sinne professionalisiert wird.

Lesen Sie dazu auch:
Behandlung im Heim: Schmerztherapie leidet bei Demenz

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