Ärzte Zeitung, 13.12.2016
 

Impfung

Wie Ärzte schmerzarm pieksen!

Impfungen sind nötig, schon bei den Allerkleinsten. Oft erleben sie dabei Schmerz und Stress, was im Gedächtnis bleibt. Die STIKO gibt Ärzten Tipps, wie Impfungen möglichst schmerzfrei vonstattengehen – und so keine Impfabneigungen produzieren.

Von Beate Fessler

Wie Ärzte Schmerzarm pieksen!

Entwickeln Kinder Angst vor Impfungen, begleitet sie eine Impfabneigung oft ein Leben lang.

© ia_64/ iStock/ Thinkstock

HAMBURG. Es ist nicht ungewöhnlich, dass bei der Injektion von Impfstoffen Schmerzen und Stressreaktionen auftreten. Die Angst davor aber kann die Akzeptanz weiterer Impfungen lebenslang nachteilig beeinflussen. Nicht ohne Grund sind zahlreiche Studien und Evidenz-basierte Empfehlungen zu dieser Problematik publiziert.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat sie gescreent und die Quintessenz daraus in den aktuellen Impf-Empfehlungen publiziert. Sie hat dabei vor allem eines im Blick: eine höhere Akzeptanz.

Wie aber lässt sich der "Pieks" so angenehm wie möglich gestalten? Dr. Ole Wichmann vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin präsentierte die empfohlenen Strategien bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) in Hamburg.

Nadellänge entscheidet

Schon die Nadellänge sollte sorgfältig gewählt werden. Bei Säuglingen unter zwei Monaten werden 15 mm empfohlen, bei älteren Säuglingen und Kleinkindern 25 mm und bei Jugendlichen und Erwachsenen 25 bis 50 mm. Die Aspiration ist überflüssig.

Werden mehrere Injektionen zum gleichen Zeitpunkt verabreicht, sollte die schmerzhafteste Injektion, etwa die Pneumokokken- oder Mumps-Masern-Röteln-Impfung, zuletzt injiziert werden.

Auch mit Maßnahmen zur Schmerzlinderung lassen sich Impfungen erträglicher machen. Zwischen dem vierten Lebensmonat und dem zwölften Lebensjahr können in Einzelfällen schmerzstillende Medikamente eingesetzt werden, zum Beispiel Lidocain-haltige Schmerzpflaster oder –cremes.

Diese müssen allerdings 30 bis 60 Minuten vor der Injektion appliziert werden – und deren Kosten von den Eltern selbst getragen werden müssen. Möglich ist auch ein Eisspray (Aufsprühzeit zwei bis acht Sekunden), das rasch wirkt.

Kinder schlicht ablenken vom Pieks

Gerade bei Kindern kommt Ablenkungsmanövern ein hoher Stellenwert zu. Nuckeln an einem Schnuller oder Stillen kommt dabei ebenso in Betracht wie die Applikation einer Glukoselösung oder einer anderen süßen Flüssigkeit.

Da Rotavirus (RV)-Impfstoffe Saccharose enthalten, sollte bei mehreren Impfungen an einem Termin eine geplante RV-Impfung zuerst gegeben werden.

Doch Vorsicht: Bei der Impfung gegen das Rotavirus sollte auf das Stillen vor und während der Impfung verzichtet werden, da die Wirkung der RV-Schluckimpfung vermindert sein kann. Kleinkinder sollten möglichst auf dem Arm oder dem Schoß eines Elternteils gehalten werden.

Um Stressreaktionen zu mindern, ist es kaum hilfreich, die Eltern im Unklaren zu lassen. Schon bei der U3 sollte das Thema angesprochen und über die mögliche Anwendung schmerzlindernder Verfahren aufgeklärt werden.

Und: Auch ältere Kinder sollten bei einer Impfung nicht alleine sein. Bis zum zehnten Lebensjahr sollte auch ein Elternteil bei der Impfung anwesend sein.

Die richtige Nadellänge

Bei Säuglingen unter zwei Monaten wird eine Nadellänge von 15 mm empfohlen,

bei älteren Säuglingen und Kleinkindern eine von 25 mm,

bei Jugendlichen und Erwachsenen sind es 25 bis 50 mm.

Die Aspiration ist überflüssig.

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