Ärzte Zeitung, 26.06.2012

Triptan und SSRI - macht nur selten Probleme

Immer wieder wurde diskutiert, ob die gleichzeitige Einnahme von SSRI und Triptanen ein Serotonin-Syndrom auslöst. Jetzt gibt eine Fachgesellschaft gibt Entwarnung.

Triptane plus SSRI - das geht meistens gut

Wenn’s im Kopf schmerzt, sind oft auch Depressionen nicht mehr fern.

© Fred Goldstein/fotolia.com

MÜNCHEN (eb). Ungünstige Wechselwirkungen zwischen bestimmten Antidepressiva und Migränemedikamenten sind offenbar seltener als bisher befürchtet.

Relevant ist das deshalb, weil sowohl die Migräne als auch die Depression häufige Erkrankungen sind, die auch häufig gleichzeitig auftreten.

So sind in Deutschland nach Schätzung von Experten rund acht Millionen Menschen an einer Migräne erkrankt, an einer Depression wiederum erkranken innerhalb eines Jahres 6,8 Millionen Menschen - ungefähr acht Prozent der Bevölkerung.

Bei Migräne-Patienten ist das Risiko einer gleichzeitig auftretenden Depression oder generalisierten Angststörung um das Zwei- bis Vierfache erhöht.

Für diese Patienten sei es von besonderer Bedeutung, dass keine ungünstigen Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten auftreten, die bei diesen Erkrankungen üblicherweise verordnet werden, zitiert die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) den Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Professor Gunther Haag in einer Mitteilung.

Wahl des Triptans orientiert sich an der Komedikation

Behandelt wird eine akute Migräneattacke oft mit Triptanen, dabei handelt es sich um Serotonin-Agonisten. Zur Therapie von Depressionen oder Angsterkrankungen werden in den letzten Jahren zunehmend häufiger Serotonin-Wiederaufnahmehemmer angewandt.

Theoretisch kann die Kombination dieser beiden Medikamentengruppen zu einem Serotonin-Syndrom führen. Grundsätzlich sollte sich daher die Auswahl eines Triptans auch nach der Begleitmedikation und deren Verstoffwechslung richten, so der Arzt aus Königsfeld.

Das Risiko eines Serotonin-Syndroms dürfte mit Eletriptan, Naratriptan und Frovatriptan bei gleichzeitiger Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) am geringsten sein, schreibt die DMKG.

Grund: Diese Triptane werden anders verstoffwechselt als die übrigen. Prinzipiell sollten Patienten, die gleichzeitig Triptane und Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI oder SNRI einnehmen, besonders sorgfältig ärztlich begleitet werden, empfiehlt die DMKG.

Die Gefahr, dass bei gleichzeitiger Einnahme von Triptanen und bestimmten Antidepressiva ein Serotonin-Syndrom auftritt, sei jedoch so gering, dass nicht generell von einer Kombination dieser Präparate abgeraten werden müsse.

Über ein Serotonin-Syndrom wird selten berichtet

Das Serotonin-Syndrom wird durch eine Anhäufung von Serotonin hervorgerufen. Es äußert sich zum Beispiel in autonom-vegetativen Beschwerden wie Puls- und Blutdruckanstieg, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, Pupillenerweiterung oder durch zentralnervöse Symptome wie Unruhe, Koordinationsstörungen, Halluzinationen.

Auch neuromuskuläre Störungen wie Tremor und gesteigerte Reflexe bis hin zu Muskelkrämpfen können auftreten. Greifen diese Störungen auf die Atemmuskulatur über, kann es lebensbedrohlich werden.

In der Literatur werden nur einige wenige Patienten beschrieben, bei denen ein Serotonin-Syndrom auftrat, etwa bei gleichzeitiger Einnahme von Triptanen und Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI, der SNRI oder auch unter einer Monotherapie mit Triptanen.

Das Risiko ist aber nach Angaben der DMKG offensichtlich sehr gering. Das lasse sich aus dem Umstand schließen, dass die gemeinsame Einnahme von Triptanen und den genannten Psychopharmaka sehr häufig vorkomme.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »