Kopfschmerzen

Triptan und SSRI - macht nur selten Probleme

Immer wieder wurde diskutiert, ob die gleichzeitige Einnahme von SSRI und Triptanen ein Serotonin-Syndrom auslöst. Jetzt gibt eine Fachgesellschaft gibt Entwarnung.

Veröffentlicht:
Wenn’s im Kopf schmerzt, sind oft auch Depressionen nicht mehr fern.

Wenn’s im Kopf schmerzt, sind oft auch Depressionen nicht mehr fern.

© Fred Goldstein/fotolia.com

MÜNCHEN (eb). Ungünstige Wechselwirkungen zwischen bestimmten Antidepressiva und Migränemedikamenten sind offenbar seltener als bisher befürchtet.

Relevant ist das deshalb, weil sowohl die Migräne als auch die Depression häufige Erkrankungen sind, die auch häufig gleichzeitig auftreten.

So sind in Deutschland nach Schätzung von Experten rund acht Millionen Menschen an einer Migräne erkrankt, an einer Depression wiederum erkranken innerhalb eines Jahres 6,8 Millionen Menschen - ungefähr acht Prozent der Bevölkerung.

Bei Migräne-Patienten ist das Risiko einer gleichzeitig auftretenden Depression oder generalisierten Angststörung um das Zwei- bis Vierfache erhöht.

Für diese Patienten sei es von besonderer Bedeutung, dass keine ungünstigen Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten auftreten, die bei diesen Erkrankungen üblicherweise verordnet werden, zitiert die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) den Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Professor Gunther Haag in einer Mitteilung.

Wahl des Triptans orientiert sich an der Komedikation

Behandelt wird eine akute Migräneattacke oft mit Triptanen, dabei handelt es sich um Serotonin-Agonisten. Zur Therapie von Depressionen oder Angsterkrankungen werden in den letzten Jahren zunehmend häufiger Serotonin-Wiederaufnahmehemmer angewandt.

Theoretisch kann die Kombination dieser beiden Medikamentengruppen zu einem Serotonin-Syndrom führen. Grundsätzlich sollte sich daher die Auswahl eines Triptans auch nach der Begleitmedikation und deren Verstoffwechslung richten, so der Arzt aus Königsfeld.

Das Risiko eines Serotonin-Syndroms dürfte mit Eletriptan, Naratriptan und Frovatriptan bei gleichzeitiger Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) am geringsten sein, schreibt die DMKG.

Grund: Diese Triptane werden anders verstoffwechselt als die übrigen. Prinzipiell sollten Patienten, die gleichzeitig Triptane und Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI oder SNRI einnehmen, besonders sorgfältig ärztlich begleitet werden, empfiehlt die DMKG.

Die Gefahr, dass bei gleichzeitiger Einnahme von Triptanen und bestimmten Antidepressiva ein Serotonin-Syndrom auftritt, sei jedoch so gering, dass nicht generell von einer Kombination dieser Präparate abgeraten werden müsse.

Über ein Serotonin-Syndrom wird selten berichtet

Das Serotonin-Syndrom wird durch eine Anhäufung von Serotonin hervorgerufen. Es äußert sich zum Beispiel in autonom-vegetativen Beschwerden wie Puls- und Blutdruckanstieg, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, Pupillenerweiterung oder durch zentralnervöse Symptome wie Unruhe, Koordinationsstörungen, Halluzinationen.

Auch neuromuskuläre Störungen wie Tremor und gesteigerte Reflexe bis hin zu Muskelkrämpfen können auftreten. Greifen diese Störungen auf die Atemmuskulatur über, kann es lebensbedrohlich werden.

In der Literatur werden nur einige wenige Patienten beschrieben, bei denen ein Serotonin-Syndrom auftrat, etwa bei gleichzeitiger Einnahme von Triptanen und Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI, der SNRI oder auch unter einer Monotherapie mit Triptanen.

Das Risiko ist aber nach Angaben der DMKG offensichtlich sehr gering. Das lasse sich aus dem Umstand schließen, dass die gemeinsame Einnahme von Triptanen und den genannten Psychopharmaka sehr häufig vorkomme.

Mehr zum Thema

Schmerzmediziner berichten

Dauer-Kopfschmerz nach COVID-19 nicht selten

Kasuistik

Odyssee einer Kopfschmerz-Patientin

Kasuistik

Migräne: Herzinfarkt plus TIA nach Triptaneinnahme

Das könnte Sie auch interessieren
Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

© Tania Soares | EyeEm

Corona und Depression

Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

© koto-feja, LordRunar | iStock

So wirkt Johanniskraut

Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

© ChristianChan | iStock

Depressionen behandeln

Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Neues und Wissenswertes rund um das Thema Schilddrüse

© Nerthuz / iStock

Kleines Organ ganz groß

Neues und Wissenswertes rund um das Thema Schilddrüse

Kooperation | In Kooperation mit: Sanofi-Aventis
PD Dr. Joachim Feldkamp (links), Internist und Endokrinologe vom Klinikum Bielefeld-Mitte und Prof. Dr. Markus Luster (rechts), Nuklearmediziner vom Uniklinikum Gießen-Marburg

© [M] Feldkamp; Luster; Sanofi-Aventis

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Bei erhöhtem TSH-Wert nicht gleich die Diagnostik-Maschinerie starten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Chronischer Pruritus: Heftigster Juckreiz

© Aleksej / stock.adobe.com

Therapeutischer Dreiklang

Was sich gegen ständiges Jucken tun lässt

Mehr Inzidenzen = ein guter Grund für den dritten Piks? Einige im Gesundheitssystem vertrauen dieser Rechnung.

© Fokussiert / stock.adobe.com

COVID-19-Pandemie

Hohe Inzidenz lässt Ruf nach mehr Drittimpfungen lauter werden