Ärzte Zeitung, 29.07.2014

Kommentar zu Paracetamol

Eine suboptimale Studie

Von Peter Leiner

Paracetamol gilt als das am schwächsten wirksame Präparat in der Gruppe der peripher wirkenden Analgetika. Es wird unter anderem von der Deutschen Schmerzliga als Medikament der ersten Wahl bei harmlosen akuten Rückenschmerzen empfohlen.

In der ersten Placebo-kontrollierten Studie mit Paracetamol - PACE - stellt sich nun heraus, dass das Analgetikum bei leichten bis moderaten Schmerzen diese nicht besser lindert als ein Scheinpräparat.

Dieses Studienergebnis ist aber allenfalls ein erster Hinweis auf eine Unwirksamkeit von Paracetamol in dieser Indikation und sollte nicht Anlass sein, die eine oder andere Leitlinie sogleich zu ändern. Denn dazu war die Studie nicht optimal ausgerichtet.

Unter anderem hatten alle Studienteilnehmer außer der Medikation auch Empfehlungen erhalten, die Beweglichkeit auch nichtmedikamentös wiederzuerlangen. Leider haben die Studienautoren es versäumt, genau diesen Aspekt weiter zu klären: Welchen Effekt hat eine nichtmedikamentöse Strategie ohne zusätzliches Paracetamol oder Placebo?

Hätte es auch diesen Studienarm gegeben, hätte das Gesamtergebnis auch eine viel stärkere Aussagekraft. Vielleicht ist Paracetamol in dieser Indikation ja gar nicht so schwach!

Lesen Sie dazu auch:
Rückenschmerz: Paracetamol nicht besser als Placebo?

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[29.07.2014, 23:21:48]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Falsche Studie am falschen Objekt: Falsche Schlussfolgerungen!
Bei den Fachinformation zu Paracetamol steht unter 4.1 Anwendungsgebiete
– leichte bis mäßig starke Schmerzen
– Fieber.

Es ist also n i c h t "Medikament der ersten Wahl bei harmlosen akuten Rückenschmerzen", wie sich die Deutsche Schmerzliga zusammengereimt hat. Und auch die PACE-Studie hat mit Paracetamol das falsche Medikament gewählt.

Ebenso ist ein Placebo gegen "Doktor, ich hab' Rücken" wie es im Ruhrgebiet so treffend heißt, genauso wenig wirksam oder unwirksam. Insbesondere wenn alle Studienteilnehmer außer der Medikation Empfehlungen erhalten, die Beweglichkeit auch nicht medikamentös wieder zu erlangen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Reykjavik/Iceland)
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Spahn soll Gesundheitsminister werden

Jünger und weiblicher will die CDU-Chefin ihr Kabinett und ihre Partei machen. In Männerhand bleibt das Gesundheitsressort: Jens Spahn soll hier der neue Minister werden. mehr »

Als Ärzte zu Mördern wurden

Vor 78 Jahren haben Ärzte auf der Schwäbischen Alb in Grafeneck erstmals Patienten mit Gas ermordet. Nachdem 10.654 Menschen tot waren, setzte das Schweigen ein. Jetzt hat die Ärztekammer an das dunkle Kapitel erinnert. mehr »

Praxen und Kliniken melden "Land unter"

Die heftige Grippewelle bringt Arztpraxen und Krankenhäuser an die Kapazitätsgrenzen. Manche Praxen müssen selbst wegen vieler erkrankter Mitarbeiter schließen, Kliniken nehmen teilweise keine Patienten mehr an. mehr »