Seltene Erkrankungen

Es hakt bei der Umsetzung des NAMSE-Aktionsplans

2013 wurde von NAMSE ein Nationaler Aktionsplan mit 52 Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von Menschen mit Seltenen Erkrankungen verabschiedet. Auf dem Weg zur Umsetzung gibt es aber Hürden.

Von Friederike Klein Veröffentlicht:

WIESBADEN. Eva Luise Köhler, Schirmherrin der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE), die am Nationalen Aktionsbündnis für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (NAMSE) beteiligt ist, zeigte sich bei einem Symposium zu Seltenen Erkrankungen beim Internistenkongress nicht zufrieden mit den Fortschritten seit Verabschiedung des Aktionsplans. Das betrifft vor allem die national anerkannten Fachzentren, die ein Schwerpunkt von NAMSE sind.

Es wurden Anforderungskataloge für Referenzzentren und Fachzentren für Seltene Erkrankungen entwickelt und konsentiert und es haben sich 30 Zentren gebildet. Diese sind aber sehr unterschiedlich ausgestattet und die Struktur der Zentren ist bundesweit sehr inhomogen. Geplant war eine interdisziplinäre und spezialisierte Versorgung, auch über Standortgrenzen hinweg, um eine optimale Versorgung der Patienten mit seltenen Erkrankungen zu ermöglichen.

Das ist personal- und zeitintensiv. So wundert es nicht, dass der Entwicklungsstand der Zentren stark von Finanzierungsproblemen betroffen ist, wie Köhler betonte. Nur dort, wo die Förderung der Zentren etwa durch Projekte im Rahmen des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses bis 2020 gesichert ist, konnten feste Personalstellen geschaffen und sinnvolle Strukturen etabliert werden.

In den Bundesländern, in denen die zuständigen Ministerien die Aufnahme der Zentren für Seltene Erkrankungen in den Landeskrankenhausplan initiiert haben, sind diese Zentren nach Einschätzung von Köhler auch inzwischen nicht mehr weit weg von den durch NAMSE definierten Qualitätskriterien.

Andere Zentren, die keine Sondertöpfe oder Zuschläge für diese personal- und zeitintensive Versorgung der Patienten erschließen konnten, darben. In manchen Fall ist so ein Zentrum nach Köhlers Worten kaum mehr als ein Türschild.

Neben dieser Inhomogenität der Zentrumsstrukturen kritisierte Köhler auch die mangelnde Transparenz über die vorgehaltene Expertise. Es ist schwierig, Informationen über die Erfahrung und die Leistungsfähigkeit eines Zentrums im Hinblick auf spezifische Erkrankungen zu erhalten. „Das ist für Patienten und Angehörige ebenso unbefriedigend wie für Primärversorger und fachärztliche Zuweiser“, sagte Köhler.

Dabei sah sie in der einfach zugänglichen Information zu Experten und Angeboten für spezifische Erkrankungen etwa über das Internet eine wichtige Voraussetzung, um die Odyssee vieler Betroffenen verkürzen zu können. Aktuell geht man davon aus, dass Patienten mit seltenen Erkrankungen erst etwa sieben Jahre nach Symptombeginn die richtige Diagnose erhalten.

Und es sind viele Patienten, die von diesen Problemen betroffen sind: Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht derzeit von 5400 Erkrankungen aus, die in einer Häufigkeit von weniger als 5 pro 10.000 auftreten. Das macht 30 Millionen Betroffene weltweit und 4,3 Millionen in Deutschland. Deshalb müsse weiter mit Nachdruck auf die Umsetzung des Nationalen Aktionsplans für Seltene Erkrankungen von NAMSE hingewirkt werden, mahnte Köhler.

An der mangelnden Beteiligung der Akteure im Gesundheitswesen kann es nicht liegen. In NAMSE kooperieren das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), ACHSE e.V. (Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen) und 25 Bündnispartner aus dem Gesundheitswesen wie der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), der Kassenärztliche Bundesvereinigung, dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung und der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

„Unser ältester Patient ist 86!“

Erwachsen mit Mukoviszidose: Versorgung muss sich anpassen

Orphan Diseases

Seltene Erkrankungen: Neue Informationsmaterialien für Hausarztpraxen

Gemeinsamer Bundesausschuss

Zusatznutzen für mehrere Orphan Drugs

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview mit Johanna Ludwig von der gematik

Digitale Prozesse in der Arztpraxis neu denken

Differenzialdiagnosen im Blick

Hängendes Augenlid – Schauen Sie auch auf die Pupillen!

Lesetipps
Ein älterer Mann muss stark husten und hält eine Hand auf seine Brust.

© Getty Images

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist