Ärzte Zeitung, 03.06.2005

Sehne als Meniskusersatz hat sich nicht bewährt

Enttäuschende Ergebnisse einer Langzeitstudie an der MHH im Vergleich zu einer subtotalen Meniskus-Resektion

HANNOVER (ner). Im Langzeitverlauf werden mit einer autologen Quadrizepssehne als Meniskusersatz keine besseren Ergebnisse erzielt als mit einer subtotalen Meniskus-Resektion. Die progrediente Arthrose läßt sich mit der Behandlungsmethode nicht aufhalten.

Minimal-invasive Knie-OP: der Eingriff - wie er etwa bei einer Meniskus-Operation erfolgt - kann dabei vom Chirurg am Bildschirm verfolgt werden. Foto: klaro

Das berichten Dr. Thomas Pressel von der Orthopädischen Uniklinik Hannover und seine Kollegen in der "Zeitschrift für Orthopädie" (143, 2005, 42).

Um eine frühe Arthrose nach Meniskektomie zu verhindern, hatten die Orthopäden zwischen 1986 und 1999 insgesamt 45 Patienten einen Streifen aus der Quadrizepssehne mit anhängendem patellarem Knochenblock als Meniskusersatz im Knie verankert.

Implantate heilten gut ein, wie Arthroskopien ergaben

Zwar heilten diese Implantate gut ein, wie Arthroskopien ein Jahr postoperativ ergeben hatten. Doch die Befragung von 34 sowie die klinische Untersuchung von 21 der Patienten nach durchschnittlich neun Jahren war ernüchternd.

Radiologisch sei bei den meisten Patienten eine deutliche Arthrose zu verzeichnen gewesen, von der Ausprägung her ähnlich wie in Studien nach Meniskus-Resektion ohne Meniskusersatz, so Pressel und seine Mitarbeiter. Scores für Sport und Lebensqualität erbrachten eher schlechte Resultate.

Als mögliche Gründe nennen die Orthopäden eine zu großzügige Indikationsstellung für den Eingriff, zumal die Gelenke teilweise präoperativ degenerativ vorgeschädigt und instabil waren. Außerdem sei die Konsistenz des Sehnengewebes im Vergleich zum natürlichen Meniskusgewebe zu weich, um eine ausreichende Knorpelprotektion zu erzielen.

Außer mit Sehnen wird Ersatz auch aus Fettgewebe erprobt

Dies entspreche auch aktuellen Erkenntnissen aus Tierexperimenten.

Partielle Meniskus-Resektionen sowie Meniskus-Refixationen gehören zu den häufigsten Eingriffen am Kniegelenk. Die sparsame Meniskusresektion ist nicht immer möglich, weshalb seit 20 Jahren verschiedene Versuche unternommen werden, die scheibenförmigen Zwischenknorpel zu ersetzen, etwa mit Fett- oder Sehnengewebe. Derzeit laufen Studien, um per Tissue Engineering aus autologen Knorpelzellen neue Menisci zu produzieren.

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