Ärzte Zeitung, 07.12.2011

Topische Analgesie hält in Bewegung

Die topische Analgesie in der Orthopädie ist eine effektive Option. Patienten mit Sprunggelenk-Distorsion profitieren vom Diclofenac-Schmerzpflaster.

BERLIN(erf). Bei Arthrose sind zwei Entzündungsgeschehen zu unterscheiden: Neben der pathogenetisch relevanten langfristigen Inflammation sind die akuten Entzündungen für die Schmerzentwicklung verantwortlich. Gegen letztere reichen meist topische NSAR.

"Ziel jeder Schmerztherapie ist es, den Patienten so schnell wie möglich wieder in die Bewegung reinzubringen", sagte Dr. Wolfgang W. Bolten von der Klaus-Mielke-Klinik Wiesbaden.

Denn eine Belastung des Gelenkknorpels sei Voraussetzung für eine Nährstoffzufuhr in die Chondrozyten. An Analgetika steht eine ganze Palette an medikamentösen Optionen zur Verfügung.

Die häufig verschriebenen oralen NSAR sind jedoch mit Nebenwirkungen belastet, sodass der Arzt bei entsprechenden Risiken seines Patienten - kardiovaskulär oder bezüglich Blutungen im Gastrointestinal-Trakt - auf Alternativen zurückgreifen sollte.

Höhere Effektgröße bei topischen Präparaten

Hier stellen topische Anwendungen eine nahezu nebenwirkungsfreie Therapieoption dar. Entgegen einer häufig verbreiteten Meinung seien die lokalen NSAR sogar wirksamer als die systemisch applizierten.

Für topische NSAR sei eine Effektgröße von 0,44 errechnet worden, die oralen kamen lediglich auf 0,29. Die Effektgröße sei ein Maß, in welches die Wirkdifferenz zwischen Verum und Placebo in den bislang erfolgten Studien eingeht, so Bolten bei einer Veranstaltung des Unternehmens IPSA beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin.

Noch effektiver bei einer Arthrose sind sogar Nahrungsergänzungsmittel wie Glucosamin- und Chondroitinsulfat, wie der Rheumatologe darlegte. Mit einer Effektgröße von 0,58 und 0,75 in Bezug auf die Schmerzen überragen sie die oralen NSAR bei weitem, aber sind ebenso wie ein Diclofenac-Pflaster nicht GKV-erstattungsfähig.

"Damit assoziieren viele Menschen: Was von der Krankenkasse nicht bezahlt wird, ist auch nicht wirksam", so Bolten. Doch dies verhält sich in diesem Fall genau anders herum. "Und von der Verordnung solcher Produkte - etwa über ein grünes Rezept - würden viele Patienten profitieren", so Bolten.

Schmerz um 60 Prozent reduziert

Der Sportmediziner Professor Hans-Georg Predel von der Universität Köln stellte eine eigene Anwendungsbeobachtung vor, in der die Effektivität des Diclofenac-Schmerzpflasters Flector® untersucht wurde.

94 Patienten mit Sprunggelenk-Distorsion wurden für einen Zeitraum von fünf Tagen mit dem Schmerzpflaster versorgt. Darüber hinaus durfte das übliche PECH-Schema (Pause, Eiskühlung, Compression, Hochlagern) angewandt werden.

Am Ende der Behandlung konnte der Schmerz, dokumentiert auf der Visuellen Analogskala (VAS), um 60 Prozent reduziert werden.

Da nachweislich die Gewebekonzentration lokaler NSAR höher ist als bei oraler Applikation, sei das Schmerzpflaster sehr gut geeignet für die Behandlung von Patienten mit muskulo-skelettalen Schmerzen in der Praxis, sagte Predel.

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