Ärzte Zeitung online, 06.02.2014

Kniegelenksarthrose

Bewegung gegen den Schmerz

Obwohl heute belegt ist, dass körperliche Aktivität die Schmerzen von Patienten mit Kniegelenksarthrose verringert, gibt es viel Unsicherheit darüber, welches und wie viel Training optimal ist.

PITTSBURGH. Zehn bis 16 Prozent der älteren US-Amerikaner leiden unter einer symptomatischen Kniegelenksarthrose. Häufig wird im Rahmen der konservativen Behandlung zunächst eine Bewegungstherapie empfohlen. Wie effektiv diese Maßnahme zur Schmerzbekämpfung sein kann, haben Allyn M. Susko und G. Kelley Fitzgerald von der Universität Pittsburgh in einem Übersichtsartikel untersucht.

Nur rund 28 Prozent der Gonarthrosepatienten nutzen die Chance eines regelmäßigen Trainings zur Verbesserung ihrer Beschwerden. In den meisten Studien konnten für die Schmerzreduktion kleine oder mittlere Effektgrößen erreicht werden (Open Access Rheumatology: Research and Reviews 2013; 5: 81-91).

Doch unzureichende Trainingsfrequenzen und unterschiedliche Trainingsarten erschweren den Vergleich. Die Resultate machen dennoch deutlich, dass vor allem Art und Intensität der Übungen sowie die Trainingsfrequenz eine wesentliche Rolle für die Schmerzreduktion spielen.

Mit den Ausdauersportarten Wandern und Indoor-Radfahren konnten kleine bis mittlere bzw. mittlere bis große Effektgrößen erzielt werden. Bislang ist allerdings keine Aussage darüber möglich, welche Art der Bewegung sich am besten für Patienten mit Kniearthrose eignet und wie häufig trainiert werden sollte.

Auch bei der Beurteilung des Krafttrainings war das Hauptproblem das Studiendesign. War allerdings ein beispielsweise dreimal wöchentliches Training gesichert, verringerte sich der Knieschmerz deutlich, und zwar effektiver als durch Ausdauersport. Auch das Training im Wasser sowie Tai Chi zeigten in einzelnen Studien einen schmerzreduzierenden Effekt.

Um gezielter gegen den Schmerz vorgehen zu können, versucht man derzeit dessen Entstehung sowie die Wirkung der körperlichen Aktivität aufzuklären. Erste Studien mit Arthrosepatienten weisen auf eine Entzündungskaskade hin, der eine Rolle bei der peripheren Sensibilisierung zugeschrieben wird.

Neuere Untersuchungen lassen vermuten, dass regelmäßige Übungen die Homöostase im Knorpel fördern und der Entzündung entgegenwirken. Zudem scheint, wie bei anderen chronischen Schmerzgeschehen auch, beim Arthroseschmerz die zentrale Sensibilisierung eine Rolle zu spielen.

Bei Patienten mit anderen Schmerzerkrankungen sind an der Schmerzreduktion offenbar sowohl periphere als auch zentrale Mechanismen beteiligt. In künftigen Studien sollte deshalb untersucht werden, so die Autoren, ob dies auch auf die Kniearthrose zutrifft.

Zum Mechanismus der Schmerzreduktion in einem arthrotischen Gelenk liegen bislang vor allem Daten aus Tier- und In-vitro-Studien vor.

Um die optimale Bewegungsart und die notwenige Trainingsfrequenz für den maximalen Erfolg bei Patienten mit Kniegelenksarthrose festlegen zu können, müssen zunächst die genauen Mechanismen des Arthroseschmerzes sowie die Wirkungsweise von Bewegungstherapien am Patienten verstanden werden.

Hierzu sind geeignete Messmethoden zur Unterscheidung zwischen peripheren und zentralen Schmerzmechanismen sowie die Berücksichtigung weiterer Faktoren der Schmerzentstehung erforderlich. (St)

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