Ärzte Zeitung online, 03.06.2014

Arthrose

Stärkt Milch die Knorpel von Frauen?

Eine Kniegelenksarthrose schreitet bei Frauen langsamer fort, wenn die Betroffenen regelmäßig Milch trinken. Dabei gilt: je mehr, desto besser. Das zeigt eine Kohortenstudie aus den USA.

Stärkt Milch die Knorpel on Frauen?

Eine Erhöhung des Milchkonsums um zehn Gläser pro Woche reduzierte ineiner Studie die Abnahme der Gelenkspaltweite um 0,06 mm.

© Springer Verlag

BOSTON. Der Zusammenhang zwischen Milchzufuhr und Kniegelenkarthrose wurde anhand von prospektiven Daten untersucht: 2148 Teilnehmer der Osteoarthritis Initiative (Stadium 2 oder 3 nach Kellgren und Lawrence) hatten zu Studienbeginn Auskunft zu ihren Ernährungsgewohnheiten gegeben (Arthritis Care & Research 2014; online 6. April).

Zur Beurteilung der Arthroseprogression war die Gelenkspaltweite zwischen Femur und Tibia im medialen Kompartiment im Röntgenbild vermessen worden, zuletzt nach 48 Monaten.

Bei den Frauen (n = 1260) zeigte sich - nach Abgleich von Erkrankungsstadium, BMI, Ernährung und anderen Einflussfaktoren -  eine signifikante Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je mehr Milch sie tranken (keine, ≤ 3, 4-6 oder ≥ 7 Gläser pro Woche), umso weniger Gelenkspaltweite hatten sie bei Studienende eingebüßt (0,38, 0,29, 0,29 oder 0,26 mm).

Eine Erhöhung des Milchkonsums um zehn Gläser pro Woche reduzierte die Abnahme der Gelenkspaltweite um 0,06 mm. Auch das Risiko, sich im OARSI-Score (0 = keine bis 3 = starke Gelenkspaltverschmälerung) um ein Stadium zu verschlechtern, ging mit steigender Milchmenge zurück.

Positiver Effekt durch Kalzium?

Bei Männern war dagegen kein signifikanter Zusammenhang zwischen Milchzufuhr und Arthroseprogression auszumachen. Erst ab einer wöchentlichen Menge von ≥ 7 Gläsern reduzierte sich ihr Risiko für eine Verschlechterung im OARSI-Score.

Über den Mechanismus der protektiven Wirkung von Milch bei Frauen mit Kniegelenksarthrose können die Studienautoren um Bing Lu (Brigham and Women's Hospital and Harvard Medical School) nur spekulieren. Sie erinnern daran, dass die Progression der Erkrankung nicht nur vom Verlust an Knorpel, sondern auch von Zusammensetzung und Form der beteiligten Knochen abhängt.

Insofern könnte das in der Milch enthaltene Kalzium auch dem Gelenkerhalt zugutekommen. Zumindest zu einem Teil ließ sich der Schutzeffekt damit erklären.

Etwas erstaunlich war vor diesem Hintergrund ein weiterer Befund: Bei Frauen, die täglich mindestens einmal Käse aßen, schritt die Verschmälerung des Gelenkspalts sogar etwas schneller voran. Die Autoren vermuten, dies könnte mit der erhöhten Zufuhr von gesättigten Fettsäuren zu tun haben.

In einer kürzlich publizierten Studie war sie in Verbindung mit Knochenmarksläsionen gebracht worden, möglichen Vorboten einer (sich verschlechternden) Arthrose.

Lu und Kollegen sehen ihre Daten als starken Hinweis, dass häufiger Milchkonsum bei Frauen das Fortschreiten einer Arthrose verzögern kann. (BS)

[03.06.2014, 22:32:07]
Astrid Poensgen-Heinrich 
Caldium vs Eiweiß
Was sagen denn Lu und Kollegen zum Eiweiß in der Milch? Das muß doch auch verstoffwechselt werden und benötigt, da Säure zum Puffern - na was wohl? Das in der Milch enthaltene Calcium. Ich wüßte gerne, wer diese Studie finanziert hat - vielleicht auch nur im Hintergrund...
Astrid Poensgen-Heinrich
Medizinjournalistin und Buchautorin zum Beitrag »
[03.06.2014, 09:44:39]
Dr. Karlheinz Bayer 
Henne oder Ei?
Es mag ja wie ein Vorurteil klingen, aber immer wieder erschrecken mich die Bilder von den nicht nur übergewichtigen, sondern sogar stark übergewichtigen Amerikaner(inn)en. Und wie oft sieht man US-Amerikanner(inn)en mit Milchshakes, Eistüten oder einfach nur Milch.
10 Gläser Milch pro Woche!
Das istvimmens viel.
Und 0.06 Millimeter sind mit dem bloßen Auge nicht einmal wahrzunehmen.
Die andere Aussage, daß bei Männern schon bei 7 Gläsern pro Woche das Arthroserisiko steigt, ist plausibler.
Wer steckt hinter der Arthritiscare and research? Vermutlich haben die Amerikaner auch so etwas wie eine Berthelsmann-Gesellschaft, die ihnen weismachen will, sie wüßte, was gesund ist und was nicht.
Koste es was es wolle.
Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal zum Beitrag »

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