Ärzte Zeitung, 26.12.2015

Kniegelenkersatz

Weniger Schmerzen, höheres Risiko

Die Knie-Endoprothese, gefolgt von einer konservativen Therapie, führt zu besseren Ergebnissen als nicht-chirurgische Maßnahmen allein.

Von Elke Oberhofer

ODENSE. Die Knie-TEP gefolgt von konservativen Maßnahmen versus die nicht-chirurgischen Maßnahmen allein: Das haben Forscher um Dr. S¢ren T. Skou von der University of Southern Denmark in einer hochwertigen Studie verglichen (NEJM 2015; online 22. Oktober).

Das konservative Paket war für alle Teilnehmer gleich: über zwölf Wochen ein zweimal wöchentliches Training plus ein Programm zur Gewichtsreduktion, individuelle Einlagen sowie Analgetika (Paracetamol und Ibuprofen) nach ärztlichem Ermessen.

Alle 100 Teilnehmer hatten eine radiologisch nachgewiesene Gonarthrose (Kellgren-Lawrence-Grad mindestens 2) und wurden einer der zwei Gruppen zugelost.

Nach zwölf Wochen wurde die Veränderung im KOOS (Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score) im Vergleich zur Ausgangssituation bestimmt (primärer Endpunkt).

Danach lag die Knie-TEP-Gruppe klar vorn. Getestet wurden: Schmerzen, Symptomatik, Alltagsaktivitäten und Lebensqualität. Auch hier schnitten die operierten Patienten signifikant besser ab.

Der Unterschied in der Intention-to-treat-Analyse von allen 100 Patienten betrug 15,8 Prozent auf der 100-Prozent-Skala: Die Op-Gruppe hatte sich gegenüber dem Ausgangswert im Mittel um 32,5, die konservativ behandelte Gruppe um 16 Prozent verbessert.

Schwere Nebenwirkungen kommen häufiger vor

Deutlich im Vorteil waren die TEP-Patienten auch hinsichtlich weiterer Endpunkte wie Teilnahme an Freizeit- und sportlichen Aktivitäten, Timed-up-and-go-Test (Zeit zum Aufstehen aus dem Sitzen und drei Meter Gehen), 20-m-Gehtest und selbstberichtete Gesundheit (gemessen mit dem EQ-5D).

Auf den entscheidenden Nachteil des chirurgischen Eingriffs weisen die Autoren besonders hin: die deutlich höhere Rate schwerer Nebenwirkungen.

Nach der Knie-TEP entwickelten drei Patienten eine tiefe Beinvenenthrombose, bei weiteren drei war das Knie so steif geworden, dass ein Brisement forcé angewendet werden musste.

Ein Patient brach sich nach der Op den Oberschenkel oberhalb des Kondylus und einer erlitt eine tiefe Wundinfektion. Abgesehen davon kam es in 16 Fällen zu Beschwerden in anderen Körperregionen. Insgesamt 24 unerwünschten Ereignissen in der Op-Gruppe standen sechs in der konservativen Gruppe gegenüber.

Für die Forscher ist es entscheidend, das Für und Wider des Eingriffs sorgfältig abzuwägen und die Patienten nach einer Aufklärung in die Entscheidung einzubeziehen.

Die Studie habe gezeigt, dass beide Strategien, das kombinierte wie auch das rein konservative Vorgehen, zu klinisch relevanten Verbesserungen führen (in 85 und 68 Prozent) und die Mehrzahl der konservativ behandelten Teilnehmer zumindest mittelfristig ohne Knie-TEP auskommen würden.

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