Ärzte Zeitung online, 18.04.2018

Selbstbehandlung

Akupressur dämpft Arthroseschmerzen

Eine Akupressur-Selbstbehandlung kann Arthroseschmerzen deutlich lindern und die Alltagsfunktion verbessern. Spezielle Punkte treffen müssen die Patienten dazu nicht.

Akupressur dämpft Arthroseschmerzen

Knieschmerz adé: In einer Studie hielten Arthrosepatienten dazu ein spezielles Massageholz, mit dem sie neun verschiedene Akupunkte zur Schmerzreduktion stimulieren sollten.

© psdesign1/stock.adobe.com

ANN ARBOR. Mittels einer selbstangewandten Akupressurtechnik können Patienten mit Kniegelenksarthrose ihre Beschwerden lindern, doch es kommt nicht auf die Akupunkte an, wie Dr. Lydia Li und Mitarbeiter von der Universität in Ann Arbor festgestellt haben.

Die Forscher hatten sich für die Akupressur entschieden, da Schmerzpatienten diese im Gegensatz zur Akupunktur an sich selbst anwenden können. Die Akupressur könnte daher eine einfache und kostengünstige Methode sein, um auch die Schmerzen bei einer Osteoarthrose zu lindern, schreiben sie.

An ihrer randomisiert-kontrollierten Studie nahmen 150 Patienten über 65 Jahren teil, die per Zufall in drei gleich große Gruppen eingeteilt wurden: Eine erhielt weiterhin nur die bisher übliche Behandlung (Kontrollgruppe), eine weitere wurde instruiert, an sich selbst eine Akupressur vorzunehmen, die übrigen bekamen ein Scheinakupressurtraining (Arthritis Care & Research 2018; 70 (2): 221–229).

Den Teilnehmern in der Kontrollgruppe boten die Studienärzte zum Ende der Studie ebenfalls das Akupressurtraining an.

Teilnehmer im Schnitt 73 Jahre alt

In der Akupressurgruppe erhielten die Patienten ein spezielles Massageholz, mit dem sie neun verschiedene Akupunkte zur Schmerzreduktion stimulieren sollten.

Therapeuten überzeugten sich in einer Trainingssitzung davon, dass ihn dies auch zu mindestens 90 Prozent gelang. Zusätzlich bekamen die Patienten Infomaterial und eine Anleitungs-DVD mit nach Hause.

In der Gruppe mit Scheinakupressur war das Vorgehen ähnlich: Hier wurden ebenfalls neun Punkte stimuliert, diese stimmten mit den Akupunkten aber nicht überein und lagen von diesen deutlich entfernt. Sowohl Patienten mit Akupressur als auch Scheinakupressur bekamen darüber hinaus ihre übliche Schmerztherapie.

In den Therapiegruppen wurden die Teilnehmer instruiert, einmal täglich an fünf Tagen in der Woche über zwei Monate hinweg die Behandlung an sich vorzunehmen.

Über ärztliche Untersuchungen nach vier und acht Wochen sowie in wöchentlichen Telefonanrufen erfassten die Studienärzte den Verlauf von Schmerzen und Mobilitätseinschränkungen.

Die Teilnehmer waren im Schnitt 73 Jahre alt und zu etwa zwei Dritteln Frauen, der BMI lag im Mittel bei 29.Als primären Endpunkt hatten die Forscher den Wert auf der WOMAC(Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index)-Schmerzskala gewählt (0–20 Punkte).

Dieser war ausgehend von 6,5 Punkten in der Gruppe mit Akupressur nach vier Wochen auf 5,4 und nach acht Wochen auf 4,8 Punkte (minus 1,7 Punkte) gefallen.

In der Gruppe mit Scheinakupressur kam es innerhalb von zwei Monaten zu einem ähnlichen Rückgang von 6,8 auf 5,5 Punkte (minus 1,3 Punkte), dagegen sanken die Werte in der Kontrollgruppe nur gering (minus 0,6 Punkte).

Kontrollgruppe ist ein Problem der Studie

Berücksichtigten die Studienautoren Faktoren wie Alter, Geschlecht, Ethnie und BMI, erwies sich die Differenz zwischen Akupressur und Kontrolle sowie zwischen Scheinakupressur und Kontrolle als statistisch hochsignifikant, nicht aber der Unterschied zwischen Akupressur und Scheinbehandlung.

Akupressur und Scheinakupressur konnten also die Schmerzen im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich lindern. Zu einem ähnlichen Bild führte die WOMAC-Subskala für körperliche Einschränkungen (0–68 Punkte).

Zu Beginn lagen die Werte etwas über 20 Punkte, mit Akupressur und Scheinakupunktur sanken sie um rund 6 Punkte, in der Kontrollgruppe nur um 2 Punkte. Auch hier waren die Unterschiede zwischen den beiden Interventions- und der Kontrollgruppe signifikant, nicht aber der zwischen den beiden Interventionsgruppen.

Schließlich prüften die Studienärzte auch den Verlauf der Schmerzwahrnehmung anhand einer numerischen 10-Punkte-Analog-Skala. Mit Akupressur gingen die Schmerzen signifikant um 0,75 Punkte, mit Scheinakupunktur um 0,5 Punkte stärker zurück als in der Kontrollgruppe.

Ein Problem der Studie ist allerdings die Kontrollgruppe: Patienten, die sich eine aktive Therapie erhoffen, sind in der Regel enttäuscht, wenn sie der Wartegruppe zugewiesen werden; und diese Enttäuschung kann die Schmerzwahrnehmung verzerren. (mut)

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