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Ärzte Zeitung, 20.04.2005

Mit dem einfachen Maßbandtest findet man Patienten mit Sturzrisiko

Sturzgefahr ist bei Morbus Parkinson oder Demenz größer als bei Kreislaufstörungen

BASEL (KHS). Es gibt einen einfachen Hinweis, um die Sturzgefahr bei alten Menschen zu erkennen. Dieses im angloamerikanischen Sprachraum "stop walking when talking" genannte Phänomen sieht so aus, daß sturzgefährdete Personen dazu neigen, beim Gehen stehen zu bleiben, wenn sie anfangen zu sprechen oder über etwas intensiver nachdenken.

Ein alter Mann läuft mit Stock und Unterstützung einer jüngeren Frau. Allein auf sich gestellt hätte er ein hohes Risiko, zu stürzen. Foto: PhotoDisc

Dr. Martin Conzelmann plädierte beim Kongreß "Osteologie 2005" in Basel dafür, möglichst das Risiko für Stürze festzustellen, bevor ein älterer Mensch fällt. Dann hat man die Chance, ärztlich, so gut es eben geht, gegenzusteuern. Dafür gibt es nach nach Angaben von Conzelmann, der Chefarzt des Geriatrischen Kompetenzzentrums am Felix-Platter-Spital in Basel ist, einfache Tests für die Praxis.

Zum Beispiel kann man Patienten fünfmal hintereinander mit über der Brust verschränkten Armen so schnell wie möglich aus einem Stuhl aufstehen und sich wieder hinsetzen lassen. Für diesen Test werden normalerweise höchstens zwölf Sekunden benötigt. Man kann auch ein Maßband an der Wand anbringen und die Patienten anweisen, sich parallel zur Wand vornüber zu beugen, ohne mit den Füßen vorwärts zu gehen. Schafft ein Patient weniger als 25 cm, ohne nach vorne zu kippen, besteht eine hohe Sturzwahrscheinlichkeit.

Conzelmann legte eine Metanalyse von 16 Studien vor. Danach ergaben sich als wichtige Risikofaktoren für Stürze Muskelschwäche und Gangstörungen, etwa wegen eines Hallux valgus. Aber auch ein verringertes Sehvermögen, vor allem des Kontrastsehens, eine Störung des Gleichgewichtssinnes und eine verminderte Propriozeption (Tiefensensibilität) - etwa aufgrund eines Vitamin-B12-Mangels oder sonstiger Neuropathien - seien Risikofaktoren.

Sei ein Patient schon einmal gestürzt oder brauche er eine Gehhilfe, so seien auch dies Hinweise auf eine erhöhte Sturzgefährdung. Nicht zuletzt wies Conzelmann auf das hin, "was wir selbst den Patienten antun." Er meinte damit die Verordnung psychotroper Substanzen, die die Sturzwahrscheinlichkeit bei alten Menschen erhöhten.

Nach Schätzung des Geriaters liegen bei 90 Prozent der Stürze mehrere Ursachen zugrunde. So seien auch Umgebungsbedingungen zu berücksichtigen, etwa eine schlechte Wohnungsbeleuchtung, fehlende Handgriffe oder Kabel am Boden.

Die Sturzgefahr von Demenz-Kranken ist nach Angaben von Conzelmann 20mal und bei Parkinson-Kranken zehnmal so hoch wie bei gesunden Gleichaltrigen. Störungen der Kreislaufregulation hingegen seien mit schätzungsweise fünf Prozent eher selten Ursache von Stürzen.

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