Ärzte Zeitung, 14.09.2015

Telemedizin

Knochenimplantat an Arzt – Alles ok!

Von wegen seelenlose Metallplatte: Das Knochenimplantat von morgen sorgt nicht nur für Stabilität, sondern überwacht auch gleich noch die Knochenheilung. Zumindest hilft es dabei.

Von Philipp Grätzel von Grätz

BERLIN. Wenn Unfallchirurgen oder Orthopäden bei Frakturen eine Osteosynthese vornehmen, wird eine Osteosyntheseplatte angebracht, und dann heißt es warten.

Nur klinisch und allenfalls per Röntgenbild sind Verlaufskontrollen möglich. Bisher. - Denn mittlerweile werden in zunehmender Zahl sogenannte "intelligente" Knochenimplantate eingesetzt, die eine Mikroelektronik beherbergen.

"Diese Implantate erlauben es, die Belastungen, denen die Platte ausgesetzt ist, zu messen. Auf diese Weise können Überlastungssituationen frühzeitig erkannt werden", sagte Professor Klaus Seide, Leiter Wissenschaft und Forschung am Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhaus Hamburg.

Bei einer Veranstaltung im Vorfeld der Medica Education Conference, die im November zeitgleich mit der Medizinmesse Medica in Düsseldorf stattfindet, berichtete Seide über seine ersten klinischen Erfahrungen mit derartigen Implantaten.

Immerhin 66 Patienten wurden in Hamburg mittlerweile damit versorgt. Damit sei das Verfahren schon fast Routine, so der Chirurg. Am nützlichsten hätten sich die neuartigen Implantate bei der Behandlung von Patienten mit Pseudarthrosen herausgestellt, also schwer heilenden, oft mehrfach operierten Frakturen.

Der Nutzen des intelligenten Implantats bei diesen Patienten bestehe darin, dass es beginnende Heilungsprozesse anzeigen könne, die zu diesem Zeitpunkt weder klinisch noch radiologisch erkennbar sind: "Bei einigen Patienten konnten wir dadurch Operationen vermeiden."

Im nächsten Schritt wollen Seide und seine Kollegen die Implantate jetzt vermehrt auch bei Patienten mit frischen Frakturen zum Einsatz bringen: "Aus meiner Sicht ist es absehbar, dass Knochenimplantate in Zukunft regelmäßig über Messsensoren mit Telemetrie verfügen werden."

Für die Ärzte ist das nicht nur informativ, sondern auch sehr komfortabel. Seide schwärmte fast: "Wir können die Messwerte mit einer App auch über Handy abfragen. Das ist schon eine tolle Sache."

Die Medica Education Conference findet vom 16.-19. November statt. Sie wird veranstaltet von der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und der Messe Düsseldorf: www.medica.de >Konferenzen/Foren

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Häufiger Anaphylaxie unter Erdnuss-Immuntherapie

Schlechte Nachrichten für Patienten mit Erdnuss-Allergie: Einer Meta-Analyse zufolge traten unter einer oralen Immuntherapie bei Kindern deutlich mehr allergische Reaktionen auf. mehr »

Unterschiedliche Positionen zur Impfpflicht

Im internationalen Vergleich steht Deutschland in Sachen Masern-Impfschutz gar nicht so schlecht da. Ein Grund, sich auszuruhen, ist das nicht, meinen Ärztevertreter. Doch wie weit sollte eine Impfpflicht gehen? mehr »

Honorar für Leichenschau soll mehr als verdoppelt werden

Eine Arztstunde für rund 220 Euro: Gesundheitsminister Jens Spahn plant eine Neubewertung der Leichenschau in der GOÄ ab 2020. Bei den Ärzten stößt er damit auf Gegenliebe. mehr »