Ärzte Zeitung online, 18.10.2017
 

Orthopäden und Unfallchirurgen

Weißbuch zur nichtoperativen Behandlung vorgelegt

Die nicht-chirurgische Behandlung in Orthopädie und Unfallchirurgie muss in allen Bereichen gestärkt werden. So lautet das Hauptfazit des Weißbuchs "Konservative Orthopädie und Unfallchirurgie".

Weißbuch zur nichtoperativen Behandlung vorgelegt

Statt Operation: Orthopäden und Unfallchirugen möchten die konservative Therapie bei Patienten mit Bewegungsschmerzen stärken . Dazu haben sie ein neues Weißbuch mit zehn Forderungen aufgelegt.

© Lisa F. Young / Fotolia

STUTTGART. Die Veröffentlichung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie und des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie zeigt anhand von Daten und Fakten, was die konservativen Methoden in Deutschland leisten könne und wie es um sie bestellt ist, heißt es in einer Pressemitteilung. Das Weißbuch wurde im Vorfeld des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie präsentiert.

In zehn Forderungen erklären die Autoren darin, wie die konservative Therapie gestärkt werden kann, damit gute Behandlungskonzepte flächendeckend für alle Patienten zur Verfügung stehen. Themen sind unter anderem gängige diagnostische Verfahren für zahlreiche Erkrankungen und Verletzungen, das umfangreiche Spektrum an therapeutischen Optionen, die Vernetzung und Kooperation mit anderen Berufsgruppen, aber auch Fragen der Prävention, Qualitätssicherung, Aus- und Weiterbildung sowie Forschung.

"Durch nicht-operative Behandlungsmethoden können wir in vielen Fällen erfolgreich und risikoarm Schmerzen lindern, Beweglichkeit und Lebensqualität verbessern oder das Fortschreiten von Erkrankungen bremsen", äußert sich Dr. Matthias Psczolla, einer der Autoren des Weißbuchs in der Pressemitteilung. Doch mit Blick auf die Alterung der Gesellschaft befürchten die Experten Versorgungsengpässe, falls die konservative Therapie nicht aufgewertet wird.

Gute Weiterbildung und Interdisziplinarität im Fokus

"Die sichere und erfolgreiche Anwendung konservativer Behandlungsmethoden erfordert eine gute Weiterbildung aller Orthopäden und Unfallchirurgen, eine intensive Zusammenarbeit mit Patienten und mit nicht-ärztlichen Fachberufen wie Physiotherapeuten und Orthopädietechnikern. Dem muss in Weiterbildung und Vergütung auch entsprechend Rechnung getragen werden", so Psczolla weiter. Weiterbildungskliniken mit konservativen Schwerpunkten und Weiterbildungsverbünde zwischen Kliniken und Praxen seien ein erster wichtiger Schritt.

Auch die Grundlagen- und Versorgungsforschung in diesem Bereich müsse gestärkt werden, fordern die Autoren. "Viele konservative Methoden, wie etwa die manuelle Medizin, beruhen bisher auf Erfahrungswerten", sagt Psczolla. "Wir müssen in klinischen Studien untersuchen, welche Patienten von diesen Therapien am meisten profitieren und so eine evidenzbasierte Grundlage dafür schaffen." Das Weißbuch Konservative Orthopädie und Unfallchirurgie ist kostenlos zum Download verfügbar.(run)

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