Ärzte Zeitung, 26.03.2019

Sturz über die Hundeleine

Der Hund als „Knochenbrecher“

Ältere Menschen, die regelmäßig Hunde ausführen, leben gesünder und gefährlicher zugleich. Denn die Hundeleine kann als Stolperstrick wirken – mit womöglich fatalen Folgen.

Der Hund als „Knochenbrecher“

Stürzen von Senioren mit Hunden an der Leine, sind die Folgen meist mehr als nur eine Bagatellverletzung.

© Svetlana123 / Getty Images / images

PHILADELPHIA. Vielen Senioren gilt ihr Hund als Fitnesstrainer. Schließlich bringen es dessen natürliche Bedürfnisse mit sich, dass sich sein Besitzer mehrmals am Tag zu Spaziergängen im Freien genötigt sieht. Das wirkt positiv auf Herz, Kreislauf und Stoffwechsel. Für die Knochengesundheit kann es jedoch problematisch werden. Und das liegt vornehmlich an der Verbindung, die zwischen Zwei- und Vierbeiner besteht: an der Leine.

Kevin Pirruccio von der University of Pennsylvania in Philadelphia hat sich zusammen mit Kollegen die Daten zu notfallmäßig versorgten Knochenbrüchen nach Stürzen bei Spaziergängen mit angeleinten Hunden angesehen, die von der Verbraucherschutzkommission der Vereinigten Staaten gesammelt worden waren (JAMA Surg 2019; online 6. März).

Bei der Analyse fiel zunächst auf, wie stark diese Ereignisse in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Im Jahr 2004 waren schätzungsweise rund 1670 Frakturen nach Stürzen über Hundeleinen verzeichnet worden, 2017 waren es bereits 4400 – ein Zuwachs um mehr als 160 Prozent. Knapp vier Fünftel der betroffenen Personen waren Frauen.

Etwas mehr als zwei Drittel der Knochenbrüche konnten ambulant behandelt werden. Doch 29 Prozent der Patienten mussten stationär eingewiesen werden. Am meisten betroffen war die Armregion, vor allem das Handgelenk mit 14 Prozent und der Oberarm mit 11 Prozent. Der häufigste Bruch überhaupt war jedoch die Hüftfraktur mit 17 Prozent.

Für Pirruccio und seine Mitarbeiter zeigt vor allem Letzteres, dass es sich bei den Stürzen von Senioren mit Hunden an der Leine um alles andere als eine Bagatelle handelt. „Hüftfrakturen sind mit einem langzeitigen Verlust an Lebensqualität und funktionalen Fähigkeiten verbunden“, betonen sie. Ein Jahr nach einem Bruch der Hüfte seien fast 30 Prozent der Patienten tot.

Besonders ältere Frauen, die mit dem Gedanken spielen, sich einen Hund anzuschaffen, sollten auf die Gefahr aufmerksam gemacht werden, meinen die Forscher um Pirruccio. Ärzte seien aufgefordert, Risikokandidaten zu identifizieren und Prävention zu betreiben. Sie sollten ihre Patienten auffordern, mit ihren Hunden eine Hundeschule aufzusuchen, damit die Tiere besser gehorchen, oder ihnen raten, sich Hunde kleinerer Rassen auszusuchen.

„Das Risiko, das Hunde für Senioren bedeuten, verdient Berücksichtigung“, so die Forscher. Ein einziger Sturz könne zu einer potenziell tödlichen Hüftfraktur, zu lebenslangen Komplikationen oder zum Verlust der Unabhängigkeit führen. (rb)

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