Ärzte Zeitung, 31.01.2008

Mehr Herzinfarkte durch Kalzium bei Frauen mit gesunden Knochen?

Studie zur Osteoporose-Prävention / Keine Auswirkung auf die Therapie

AUCKLAND (ner). Die Kalziumsubstitution bei knochengesunden Frauen erhöht die Herzinfarktrate, hat jetzt eine Studie ergeben. Da es sich um eine reine Präventionsstudie handelt, gebe es keine Konsequenzen für die Therapie, sagt der Osteoporose-Experte Professor Helmut Minne.

 Mehr Herzinfarkte durch Kalzium bei Frauen mit gesunden Knochen?

Oft müssen Ärzte durch Medienberichte verunsicherte Patienten beraten. Neue Studien-Ergebnisse haben keinen Einfluss auf die Osteoporose-Therapie.

Foto: Klaro

Unter knapp 1500 Frauen in der Postmenopause gab es bei erneuter Auswertung einer Osteoporose-Präventionsstudie 45 Herzinfarkte in der Kalzium- und 19 in der Placebo-Gruppe (BMJ online). Der Unterschied war signifikant. Auch der kombinierte Endpunkt aus Herzinfarkt, Schlaganfall und plötzlichem Herztod trat bei mehr Frauen in der Verum- als in der Kontrollgruppe ein (101 Ereignisse bei 69 Frauen versus 54 bei 42).

Teilgenommen hatten weitgehend gesunde Frauen von im Mittel 74 Jahren. Fünf Jahre lang nahmen sie täglich 1 g Kalzium oder Placebo ein. Frauen mit Vitamin-D-Mangel oder mit Osteoporose-Therapie waren ausgeschlossen.

"Ich bewerte diese Ergebnisse zunächst als Warnhinweis", so der Kardiologe Professor Ulrich Laufs aus Homburg/Saar zur "Ärzte Zeitung". Bevor man praktische Konsequenzen ziehe, müsse der Verdacht auf kardiovaskulär negative Auswirkungen von Kalzium wissenschaftlich gesichert oder ausgeräumt werden. Laufs empfiehlt aber Zurückhaltung bei kardiovaskulären Risikopatienten.

Der Osteoporose-Experte Professor Helmut Minne aus Bad Pyrmont betont, die Studie habe keine Bedeutung für Osteoporose-Patienten: "Es handelt sich um eine reine Osteoporose-Präventionsstudie!" Osteoporose-Patienten seien völlig andere Patienten mit wesentlich höherer Morbidität und Mortalität als knochengesunde Frauen. Sie haben einen wesentlich höheren Nutzen der Kalzium-/Vitamin-D-Substitution.

"Niemand redet einer Pharmakotherapie mit Kalzium oberhalb des Bedarfs das Wort", betont Minne. Allerdings sei die Kalziumzufuhr über die Nahrung in Deutschland in fast allen Altersgruppen zu gering, vor allem aber die Vitamin-D-Zufuhr. Für die Osteoporose-Therapie gelte weiter: Beides gehört nachwievor zur Basistherapie.

Bislang nahm man an, Kalzium sei mit Blick aufs kardiovaskuläre System zumindest harmlos. Es gab sogar Hinweise auf positive Effekte hoher Kalziumzufuhr, etwa durch günstige Beeinflussung des Fettstoffwechsels. Die Autoren interpretieren ihre Ergebnisse zurückhaltend, zumal die Stichprobe für definitive Aussagen zu klein sei und die Ergebnisse nicht konsistent sind. So gab es keine signifikant erhöhte Schlaganfall- oder TIA-Rate. Angina-pectoris-Anfälle waren sogar mit Placebo häufiger.

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