Ärzte Zeitung, 20.12.2016
 

Ernährung

Viel Kalzium erhöht das Gefäßrisiko nicht

Gesunde Erwachsene, die täglich mit Nahrung oder Nahrungsergänzungsmitteln bis zu 2500 mg Kalzium aufnehmen, setzen sich dadurch keinem kardiovaskulären Risiko aus.

Von Peter Leiner

Viel Kalzium erhöht das Gefäßrisiko nicht

Kalziumreiche Lebensmittel: Das Mineral dient vor allem der Knochengesundheit.

© robynmac / fotolia.com

BOSTON. Viele Menschen nehmen Kalziumpräparate zur Prävention ein, manche auch in Kombination mit Vitamin D. Theoretisch könnte das negative Folgen haben, weil das Mineral etwa an der Gefäßkontraktion und -dilatation beteiligt ist.

In den USA wurde daher geprüft, ob die Supplementierung negative Effekte auf das kardiovaskuläre System hat.

Die US-National Osteoporosis Foundation hat hierzu ein Team um die Gesundheitsforscherin Dr. Mei Chung von der Tufts-Universität in Boston beauftragt. Grundlage ihrer Analyse waren Daten unter anderem des zentralen Cochrane-Registers für kontrollierte Studien.

Insgesamt 31 Studien wurden ausgewertet: eine prospektive Fall-Kontroll-Studie (auf der Basis einer Kohortenstudie), vier randomisierte kontrollierte Studien sowie 26 prospektive Kohortenstudien (Ann Intern Med 2016; online 25. Oktober).

Keine einheitliche Dosis-Wirkungs-Beziehung

Wie die Wissenschaftler berichten, ließ sich keine einheitliche Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Kalziumaufnahme und der Mortalität bei Schlaganfall und kardiovaskulären Erkrankungen feststellen.

Dies gilt allerdings nur für Mengen unterhalb der Toleranzgrenze von maximal 2500 mg am Tag. Meist lagen die Tagesdosen zwischen 200 und 2400 mg. Daten zu sehr hohen Kalziummengen fehlen.

Allerdings weisen die Forscher darauf hin, dass die Interpretation der Daten dadurch erschwert wird, dass die Bestimmungen der Kalziumexposition nicht exakt waren. Noch immer sei unklar, wie sich hohe Kalziumaufnahmen auf das Risiko von KHK- und Schlaganfall auswirken.

Chung und ihre Kollegen glauben, dass eine Studie mit ausreichend statistischer Aussagekraft, mit der sich noch geringe Unterschiede beim kardiovaskulären Outcome ermitteln lassen, wohl kaum zustande kommen wird.

Sie empfehlen daher prospektive bevölkerungsgestützte Kohortenstudien, in denen die Gesamtkalziummenge sowie die durch die Nahrung und durch Nahrungsergänzungsmittel aufgenommenen Mengen mithilfe validierter Beurteilungsmethoden bestimmt werden.

Grenze zwischen 2000 bis 2500 mg

Die aktuelle Empfehlung der US-National Osteoporosis Foundation und der American Society for Preventive Cardiology (Ann Intern Med. 2016; 165; online 25. Oktober. doi: 10.7326/M16-1743) lautet auf Grundlage der Studie von Chung und ihren Kollegen sowie weiterer Untersuchungen, dass Kalziumaufnahmen aus Nahrungs- oder Nahrungsergänzungsmitteln sicher sind, wenn die Tagesdosis, bis zu der der Mineralstoff noch verträglich ist, also zwischen 2000 bis 2500 mg, nicht überschritten wird.

Dr. Karen L. Margolis vom HealthPartners Institute in Minnesota und Dr. JoAnn E. Manson vom Brigham and Women's Hospital in Boston weisen in ihrem Kommentar darauf hin, dass es keine Belege dafür gibt, dass die Aufnahme von Kalziummengen über die empfohlene Tagesdosis hinaus einen Nutzen für die Knochengesundheit oder auch den Gesundheitsstatus generell hat.

Es gebe zudem Gründe, Kalzium aus Nahrungsmitteln wie Milch, Joghurt, Käse und in Öl eingelegtem Fisch wie Sardinen dem Kalzium als Nahrungsergänzungsmittel vorzuziehen.

Einer davon sei, dass mit der Nahrung aufgenommenes Kalzium das Risiko für Nierensteine reduziere, andererseits förderten Kalziumsupplementationen die Steinentstehung. "Mehr" bedeute deshalb nicht immer auch zugleich "besser".

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt Schwung in die Entwicklung neuer Psychopharmaka

Bald könnte es einen Schub für die Entwicklung neuer Psychopharmaka geben. Denn Forscher finden immer mehr über die Entstehung psychischer Erkrankungen heraus. mehr »

Spielt Krebs eine Rolle beim plötzlichen Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod bei einer unbekannten neoplastischen Erkrankung ist selten, aber kommt vor. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. mehr »

Patienten sollen Verdacht auf Nebenwirkung melden

Alle europäischen Arzneimittelbehörden fordern in einer gemeinsamen Kampagne Patienten auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. mehr »