Ärzte Zeitung, 09.06.2005

Individuelle Tips via Web motivieren zum Training trotz Rheuma

Niederländische Kollegen haben das Internet in die Betreuung von Patienten mit rheumatoider Arthritis einbezogen / Kontrollierte Studie vorgestellt

WIEN (kat/mal). Patienten mit Arthrose oder Arthritis profitieren von mehr Bewegung, denn damit können bekanntlich Schmerzen gelindert, und die Beweglichkeit kann verbessert werden. Das bekannte Problem: Wie bringt man Patienten dazu, eine solche - oft unliebsame - Änderung des Lebensstils langfristig beizubehalten? Per Internet übermittelte Übungsprogramme könnten dabei helfen, meinen Kollegen jetzt beim Europäischen Rheumatologen-Kongreß EULAR in Wien.

Wie andere körperliche Aktivität stimuliert auch Radeln die Chrondrozyten-Aktivität. Das hilft auch bei Rheuma. Foto: dpa

Forscher um Marleen van den Berg aus Leiden haben für eine Studie 160 Patienten mit rheumatoider Arthritis ausgesucht, die an höchstens vier Tagen pro Woche mäßig Sport trieben.

Das bedeutete: Sie machten höchstens an vier Tagen pro Woche mindestens 30 Minuten lang ein moderates Training bei 50 bis 70 Prozent der Herzfrequenzreserve (die Herzfrequenzreserve ist die Differenz zwischen der Herzfrequenz in Ruhe und der Herzfrequenz bei maximaler Belastung, etwa auf dem Ergometer).

Nach einer Zufallsverteilung bekamen dann 80 von ihnen ein Jahr lang wöchentlich ein individualisiertes Übungsprogramm per Internet zugeschickt. Zudem stand ihnen ein Fahrradergometer zur Verfügung, und sie hatten Zugang zu einem Diskussionsforum im Web.

Alle drei Monate fand für sie weiterhin eine Gruppensitzung statt. Die anderen 80 Studienteilnehmer erhielten lediglich übers Web Informationen zu körperlicher Aktivität und rheumatoider Arthritis.

Ergebnis: Patienten, die übers Internet ein Trainingsprogramm bekommen hatten, waren nach zwölf Monaten körperlich aktiver.

Bei ihnen war etwa der Anteil der Studienteilnehmer, die an mindestens fünf Tagen pro Woche mindestens 30 Minuten lang moderates Training machten, größer (26 versus 15 Prozent). Signifikant war der Unterschied sogar beim Anteil der Patienten, die sich mindestens dreimal pro Woche mindestens 20 Minuten lang stark körperlich belasteten (34 versus 10 Prozent).

Das Plus an körperlicher Aktivität schlug sich dabei in deutlich besseren funktionellen Fähigkeiten und in einer besseren Lebensqualität nieder. Signifikante Unterschiede bei der Krankheitsaktivität gab es nach der zwölfmonatigen Studie zwischen den beiden Therapiegruppen nicht.

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