Ärzte Zeitung, 29.04.2013

Rheumatoide Arthritis

Zwölf Biomarker verraten die Aktivität

Um Rheumatoide Arthritis (RA) optimal zu behandeln, muss die Krankheitsaktivität genau abgeschätzt werden. Kollegen aus den Niederlanden und den USA haben jetzt gezeigt, wie ein neuer Algorithmus dabei helfen kann.

Von Robert Bublak

bluete-A.jpg

Für eine optimale RA-Therapie sollte man die Krankheitsaktivität gut abschätzen können.

© Getty Images/iStockphoto

UTRECHT. Es existiert eine Reihe von Messinstrumenten, mit denen sich die Krankheitsaktvität bei RA-Patienten bestimmen lässt.

Zu den am besten validierten zählen der "Disease Activity Score 28" (DAS28) und seine Varianten, die zusätzlich die Blutsenkungsreaktion (DAS28-ESR) oder die Konzentration des C-reaktiven Proteins (DAS28-CRP) verwenden.

So nützlich sie sind, haben sie doch Schwächen: Die klinische Beurteilung ist subjektiv, und die Entzündungsmarker ESR bzw. CRP sind nicht RA-spezifisch.

Weil kein einzelner Biomarker die komplexe Biologie der RA abzubilden vermag, ist ein Algorithmus entwickelt worden, der zwölf solcher Marker umfasst: Serum-Amyloid A, Interleukin 6, Tumor-Nekrose-Faktor-Rezeptor Typ I, vaskulärer Endothelwachstumsfaktor A, Matrix-Metallopeptidase 1 und 3, Knorpel-Glykoprotein 39, epidermaler Wachstumsfaktor, vaskuläres Zelladhäsionsmolekül 1, Leptin, Resistin und C-reaktives Protein.

Der Algorithmus produziert daraus einen Summenwert (Multiple Biomarker Disease Activity-Score; MBDA-Score) zwischen 1 und 100, wobei Werte bis 25 für eine Remission, Werte von 26 bis 29 für eine niedrig aktive RA, Werte von 30 bis 44 für eine mäßig aktive RA und Werte über 44 für eine hoch aktive RA stehen.

Zuverlässige Resultate

Ein Forscherteam um Marije Bakker aus Utrecht in den Niederlanden hat untersucht, was der MBDA-Score in der Therapie von Patienten mit Rheumatoider Arthritis zu leisten vermag (Ann Rheum Dis 2012; 71: 1692-7). Analysiert wurden dafür Daten von Probanden der CAMERA-Studie. Als Referenzwerkzeug diente der DAS28-CRP.

Einen DAS28-CRP-Wert von 2,7 - also den Schwellenwert am Übergang von RA in Remission zu niedrig aktiver RA - zugrunde gelegt, ergaben sich signifikante Korrelationen zwischen MBDA- und DAS28-CRP-Ergebnissen, wobei die Koeffizienten je nach statistischem Berechnungsverfahren zwischen 0,4 und 0,86 lagen (p<0,001).

Damit bestand eine akzeptable bis hohe Korrelation. Allerdings gelang es mit dem MBDA-Algorithmus ebenso wenig wie mit dem DAS28-CRP, eine radiologische Progression in statistisch zuverlässiger Weise vorherzusagen (p=0,09).

Fazit der Studienautoren: Der MBDA-Algorithmus, mit dem sich aus den Serumkonzentrationen von zwölf Biomarkern die Krankheitsaktivität bei Patienten mit RA abschätzen lässt, produziert zuverlässig ähnliche Resultate wie der etablierte DAS28-CRP.

Bevor er Eingang in den Versorgungsalltag findet, bedarf es allerdings weiterer Validierung. Beispielsweise ist zu klären, wie sich die Vorhersage einer radiologischen Progression verbessern ließe.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »