Ärzte Zeitung, 19.04.2012

Übler Uringeruch kann auf Harnwegsinfekt hinweisen

Wenn der Urin eines Kleinkindes unangenehm riecht, sollten Eltern hellwach sein. Dies könnte nämlich ein Hinweis auf einen Harnwegsinfekt sein.

Von Christine Starostzik

MONTREAL. Übler Uringeruch kann auf Harnwegsinfekt hinweisen. Zwar hapert es bei diesem olfaktorischen Befund sowohl an der diagnostischen Spezifität als auch an der Sensitivität, wie eine prospektive Studie jetzt gezeigt hat, er kann aber dennoch als wertvoller Hinweis in die Diagnostik einfließen.

Die Zeichen eines Harnwegsinfekts bei sehr kleinen Kindern sind unspezifisch, oft besteht Fieber ohne ersichtlichen Grund. Wegen der unklaren Symptome kann sich die Diagnose häufig hinziehen, was die Gefahr einer aufsteigenden Infektion erhöht.

Weil zudem die Uringewinnung bei Babys nicht ganz einfach ist, ist jeder Hinweis wertvoll, der möglichst schnell und einfach diagnostische Sicherheit bringt.

Dass übelriechender Urin Botschafter eines Harnwegsinfekts sein kann, wurde schon häufiger berichtet. Eine kanadische Studie überprüfte dies jetzt anhand von Urinkulturen von 331 Kindern zwischen 1 und 36 Monaten (Pediatrics peds 2011-2856; published ahead of print April 2, 2012).

Bei über 90 Prozent der Kinder bestand wegen unklaren Fiebers Verdacht auf einen Harnwegsinfekt.

"Geruchstest" kein alleiniges Diagnosekriterium

Bei 15 Prozent der Kleinen wurde ein Harnwegsinfekt mikrobiologisch bestätigt, in 82 Prozent der Fälle war E. coli der Verursacher. 57 Prozent der Eltern hatten einen unangenehmen Uringeruch zu Protokoll gegeben, allerdings auch 32 Prozent der Eltern, bei deren Kindern sich die Urinkultur als negativ erwies.

Unter den Symptomen, die mit einem Harnwegsinfekt in Zusammenhang gebracht werden, wie schmerzhaftes Wasserlassen, Erbrechen, Diarrhö und Dysurie, erwies sich der übelriechende Urin als stärkster Hinweis. Am häufigsten trat er gleichzeitig mit einem positiven Nitrit- und Leukozytennachweis auf.

 Die Assoziation zwischen Harnwegsinfekt und unangenehmem Uringeruch blieb auch signifikant, wenn sie um die Faktoren Geschlecht und vesikouretralen Reflux bereinigt wurde.

Fazit der Autoren: Da rund 40 Prozent der Kinder mit Harnwegsinfekten keinen übelriechenden Urin produzierten, und über 30 Prozent der Eltern trotz negativer Urinkultur über unangenehmen Geruch berichteten, eignet sich der "Geruchstest" auf keinen Fall als alleiniges Diagnosekriterium für einen Harnwegsinfekt.

Dennoch halten es die Autoren für sinnvoll bei Verdacht nach dem Uringeruch zu fragen, um rasch einen zielführenden diagnostischen Weg einzuschlagen.

Quelle: www.springermedizin.de

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