Ärzte Zeitung, 25.09.2015

Arztbesuch

Nächtliches Wasserlassen quält LUTS-Männer am meisten

Welches sind die Hauptbeschwerden, derentwegen Männer mit Symptomen der unteren Harnwege ("lower urinary tract symptoms", LUTS) zum Arzt gehen? Mit der Antwort auf diese Frage glauben US-Urologen, die LUTS-Therapie verbessern zu können.

ALBANY / NEW YORK. "Ärzte beurteilen den Therapieeffekt oft auf der Grundlage objektiver Messgrößen, verfehlen dabei aber das Symptom, das die Patienten ursprünglich in die Sprechstunde geführt hat", schreibt das Team um Charles Welliver vom Albany Medical College.

Der Urologe und seine Kollegen haben deshalb danach gefragt, was Männer mit LUTS zum Arzt treibt (Urology 2015, online 20. August). Die US-Forscher hatten 1240 Männern bei zwei aufeinanderfolgenden Arztkonsultationen Fragebögen vorgelegt.

65 Prozent der Männer konnten ein Hauptsymptom benennen. Für knapp die Hälfte von ihnen (49 Prozent) bestand in beiden Befragungen die größte Plage in der Nykturie.

21 Prozent der Patienten, die beim ersten Arztbesuch noch kein Kardinalsymptom angeben konnten, antworteten beim zweiten Besuch auf die Frage danach mit Nykturie. An zweiter Stelle der persistenten Beschwerden rangierte der schwache Harnstrahl (26 Prozent), gefolgt von imperativem Harndrang (22 Prozent).

Die Wissenschaftler stießen auf einige Faktoren, die auf eine Persistenz der Nykturie hinwiesen. Dazu zählten ein höheres Lebensalter, Diabetes, Hypertonie, die Einnahme eines Alphablockers oder eines 5-alpha-Reduktase-Hemmers, ein höherer Schweregrad des nächtlichen Harndrangs sowie höhergradige LUTS.

"Wir unterstützen die quantitative Einstufung von LUTS-Beschwerden durchaus", betonen die Autoren. "Wir glauben aber, dass wir ohne Identifikation des Hauptsymptoms durch die Patienten nicht herausfinden werden, ob eine therapeutische Intervention die gewünschte Wirkung erzielt."

Wahrscheinlich werde das Gesamtprofil der LUTS-Symptomatik bei vielen Patienten verbessert, ohne die wesentliche Beschwerde nachhaltig zu lindern. Die Forscher raten daher, gezielt nach dem Kardinalsymptom zu fragen und dieses dann zum Fokus der Therapie zu machen. (rb)

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