Direkt zum Inhaltsbereich

Schwangerschaft

Was bringt Test auf Keime im Urin?

Welchen Nutzen hat für Schwangere ein Routinetest auf Bakterien im Urin? Das IQWiG hat hierzu die Datenlage unter die Lupe genommen.

Veröffentlicht:

KÖLN. Ob ein Bakteriurie-Screening bei Schwangern sinnvoll ist, ist unklar. Auch bleibt offen, ob mit Antibiotika behandelt werden sollte, wenn im Urin zwar vermehrt Bakterien gefunden werden, aber keine Harnwegs-Beschwerden vorliegen.

Zu dieser Einschätzung kommt das IQWiG (Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) in seinem Abschlussbericht zum Screening auf asymptomatische Bakteriurie im Rahmen der Mutterschaftsrichtlinien.

Untersuchung auf Eiweiß, Zucker und Erreger

Die Richtlinie sieht vor, dass Schwangere regelmäßig eine Urinprobe abgeben, erinnert das Kölner Institut in seiner Gesundheitsinformation zum Abschlussbericht. Diese Probe wird unter anderem auf Eiweiß, Zucker und Bakterien untersucht.

Bei etwa 2 bis 15 von 100 Schwangeren werde das Labor fündig: Sie haben eine asymptomatische Bakteriurie. Es komme selten vor, dass eine unbehandelte Harnwegsinfektion während der Schwangerschaft schwere Komplikationen nach sich zieht wie etwa eine Sepsis, so das IQWiG.

Bakterien im Urin würden außerdem mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten und einem geringen Geburtsgewicht des Kindes in Verbindung gebracht. Um möglichen Folgen und Komplikationen vorzubeugen, erhalten Schwangere, bei denen Bakterien im Urin nachgewiesen wurden, für gewöhnlich Antibiotika – auch wenn sie keine Beschwerden haben.

Bringen Routinetests einen Nutzen?

Forscher des IQWiG sind jetzt der Frage nachgegangen, ob die routinemäßigen Tests auf Bakterien im Urin während der Schwangerschaft tatsächlich Vorteile für Mutter oder Kind haben. Zum Nutzen dieser Tests fanden sie jedoch keine geeigneten Studien.

Deshalb prüften sie, welche Vor- und Nachteile die Behandlung bei asymptomatischen Bakteriurie mit Antibiotika hat. Zu dieser Frage fanden sich drei geeignete Studien. Die Frauen, die daran teilnahmen, schluckten entweder Antibiotika, Placebo oder unternahmen gar nichts.

Die Studienergebnisse zeigten allerdings nicht, ob es Vor- oder Nachteile hat, bei einer beschwerdefreien Bakteriurie Antibiotika einzunehmen, so das IQWiG: Zum einen fehlten wichtige Informationen über die Studienteilnehmerinnen oder mögliche Nebenwirkungen der Antibiotika.

Zum anderen seien Präparate verwendet worden, die heute nicht mehr im Handel sind. Die Studien stammten zudem aus den 1960er Jahren und ließen sich nicht ohne Weiteres auf die heutige Versorgung von Schwangeren übertragen.

Somit bleibe unklar, ob es sinnvoll ist, den Urin von Schwangeren routinemäßig auf Bakterien zu untersuchen. Dies gelte auch für die Frage, ob bei Schwangeren ohne Beschwerden, aber Bakterien im Urin, eine Behandlung mit Antibiotika nötig ist. (mal)

Mehr zum Thema

Frauen im Nachteil

Körperliche Untersuchung wird bei LUTS oft vernachlässigt

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

© Iuliia Petrovskaia | iStock

Dermatophyten-Infektionen

Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Abb.  1: Indikationsübergreifendens Therapie-Monitoring in den ersten Behandlungszyklen mit Ribociclib beim HR+/HER2- Brustkrebs

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Früher und metastasierter HR+/HER2- Brustkrebs

Einfach und konsistent: indikationsübergreifendes Therapie-Management mit Ribociclib

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Pflichten, Abrechnung und Angehörigenwünsche

Worauf es bei der ärztlichen Leichenschau ankommt

Lesetipps
Eine Frau fasst sich mit den Händen an den Kopf.

© Graphicroyalty / stock.adobe.com

Mentale Gesundheit gestärkt

Mit einem Fünf-Tages-Programm gegen chronischen Kopfschmerz

Ein Kind trinkt einen exotischen Drink mit einem Strohhalm aus der ausgehöhlten Frucht.

© Natallia / stock.adobe.com

Exotisches Streetfood

Reisediarrhö: „Durchgegart“ muss nicht viel heißen