Schwangerschaft

Was bringt Test auf Keime im Urin?

Welchen Nutzen hat für Schwangere ein Routinetest auf Bakterien im Urin? Das IQWiG hat hierzu die Datenlage unter die Lupe genommen.

Veröffentlicht: 28.02.2017, 05:59 Uhr

KÖLN. Ob ein Bakteriurie-Screening bei Schwangern sinnvoll ist, ist unklar. Auch bleibt offen, ob mit Antibiotika behandelt werden sollte, wenn im Urin zwar vermehrt Bakterien gefunden werden, aber keine Harnwegs-Beschwerden vorliegen.

Zu dieser Einschätzung kommt das IQWiG (Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) in seinem Abschlussbericht zum Screening auf asymptomatische Bakteriurie im Rahmen der Mutterschaftsrichtlinien.

Untersuchung auf Eiweiß, Zucker und Erreger

Die Richtlinie sieht vor, dass Schwangere regelmäßig eine Urinprobe abgeben, erinnert das Kölner Institut in seiner Gesundheitsinformation zum Abschlussbericht. Diese Probe wird unter anderem auf Eiweiß, Zucker und Bakterien untersucht.

Bei etwa 2 bis 15 von 100 Schwangeren werde das Labor fündig: Sie haben eine asymptomatische Bakteriurie. Es komme selten vor, dass eine unbehandelte Harnwegsinfektion während der Schwangerschaft schwere Komplikationen nach sich zieht wie etwa eine Sepsis, so das IQWiG.

Bakterien im Urin würden außerdem mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten und einem geringen Geburtsgewicht des Kindes in Verbindung gebracht. Um möglichen Folgen und Komplikationen vorzubeugen, erhalten Schwangere, bei denen Bakterien im Urin nachgewiesen wurden, für gewöhnlich Antibiotika – auch wenn sie keine Beschwerden haben.

Bringen Routinetests einen Nutzen?

Forscher des IQWiG sind jetzt der Frage nachgegangen, ob die routinemäßigen Tests auf Bakterien im Urin während der Schwangerschaft tatsächlich Vorteile für Mutter oder Kind haben. Zum Nutzen dieser Tests fanden sie jedoch keine geeigneten Studien.

Deshalb prüften sie, welche Vor- und Nachteile die Behandlung bei asymptomatischen Bakteriurie mit Antibiotika hat. Zu dieser Frage fanden sich drei geeignete Studien. Die Frauen, die daran teilnahmen, schluckten entweder Antibiotika, Placebo oder unternahmen gar nichts.

Die Studienergebnisse zeigten allerdings nicht, ob es Vor- oder Nachteile hat, bei einer beschwerdefreien Bakteriurie Antibiotika einzunehmen, so das IQWiG: Zum einen fehlten wichtige Informationen über die Studienteilnehmerinnen oder mögliche Nebenwirkungen der Antibiotika.

Zum anderen seien Präparate verwendet worden, die heute nicht mehr im Handel sind. Die Studien stammten zudem aus den 1960er Jahren und ließen sich nicht ohne Weiteres auf die heutige Versorgung von Schwangeren übertragen.

Somit bleibe unklar, ob es sinnvoll ist, den Urin von Schwangeren routinemäßig auf Bakterien zu untersuchen. Dies gelte auch für die Frage, ob bei Schwangeren ohne Beschwerden, aber Bakterien im Urin, eine Behandlung mit Antibiotika nötig ist. (mal)

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