Ärzte Zeitung, 11.04.2013

MGN

Immunsuppression bremst Funktionsverlust

Bei Patienten mit idiopathischer membranöser Glomerulonephritis lässt sich die Verschlechterung der Nierenfunktion durch die Therapie mit Prednisolon plus Chlorambucil verlangsamen. Ciclosporin ist einer britischen Studie zufolge bei diesen Patienten nicht angezeigt.

Von Peter Leiner

Immunsuppression bremst Funktionsverlust

Bei der idiopathischen membranösen Glomerulonephritis geht man inzwischen von einer autoimmunen Pathogenese aus.

© Springer Verlag

BRISTOL. Bei der seltenen idiopathischen membranösen Glomerulonephritis geht man inzwischen von einer autoimmunen Pathogenese aus, unter anderem aufgrund der pathogenetischen Beteiligung von Genen im MHC-Komplex.

Eine immunsuppressive Therapie, die sich vor allem gegen B-Lymphozyten richtet, scheint daher gerechtfertigt, wie Wissenschaftler um Dr. Andrew Howman von der Universität Bristol berichten (Lancet 2013; 2; 381(9868): 744-751).

Sie überprüften daher in einer langwierigen randomisierten kontrollierten Studie mit mehr als 100 Patienten, deren Glomerulonephritis anhand einer Biopsie bestätigt worden war, eine immunsuppressive Therapie mit drei unterschiedlichen Regimen.

Die Patienten wurden drei Gruppen zugewiesen: 38 Patienten erhielten nur eine supportive Therapie, die einen Renin-Angiotensin-Blocker, Statine und Antikoagulanzien enthielt.

36 Patienten wurden zusätzlich ein Jahr lang mit Ciclosporin behandelt, und 33 Patienten bekamen zusätzlich ein halbes Jahr lang eine Kombination aus Prednisolon und Chlorambucil. 92 Prozent aller Patienten in den drei Gruppen erhielten einen ACE-Hemmer.

Primärer Endpunkt war eine 20prozentige Verschlechterung der Nierenfunktion, und zwar berechnet anhand der Cockcroft-Gault-Formel (Kreatininclearance) zur Abschätzung der glomerulären Filtrationsrate.

Bestätigung gesucht

Der statistischen Auswertung zufolge war die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Verschlechterung der Nierenfunktion um 20 Prozent in der Prednisolon/Chlorambucil-Gruppe signifikant geringer als bei Patienten, die nur die supportive Therapie erhielten (58 versus 84 Prozent, Hazard Ratio = 0,44, p = 0,0042). Dies ging mit einer Verringerung der Proteinurie einher.

Beim Vergleich der Patienten, die zusätzlich Ciclosporin erhielten, mit denen, die ausschließlich supportiv behandelt wurden, gab es hinsichtlich des primären Endpunktes keinen signifikanten Unterschied.

Auch bei der Mortalität gab es zwischen den Gruppen keine signifikanten Unterschiede. Schwere unerwünschte Wirkungen kamen in allen drei Studiengruppen vor.

Im Vergleich zur Gruppe mit ausschließlicher Supportivtherapie waren sie allerdings in der Prednisolon/Chlorambucil-Gruppe signifikant häufiger (56 versus 24 Ereignisse, p = 0,048).

Ideal wäre es nach Ansicht der Wissenschaftler, wenn diese Ergebnisse in einer größeren Studie bestätigt werden könnten. Allerdings bezweifeln sie, dass dies jemals umgesetzt werden kann, da sie allein für die aktuelle Studie zehn Jahre benötigten, um die für die statistische Auswertung erforderliche Zahl an Teilnehmern zusammenzubekommen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

Konsequente Strategie gegen Diabetes

Angesichts der epidemischen Zunahme von Diabetes-Patienten in Deutschland, muss die nächste Bundesregierung unbedingt den Nationalen Diabetesplan umsetzen. mehr »