Ärzte Zeitung, 18.10.2011
 

Bei Brustkrebsgen gilt: Nicht verzweifeln, sondern handeln

Bei Brustkrebsgen gilt: Nicht verzweifeln, sondern handeln

Frauen mit Hochrisiko-Genen für Brustkrebs brauchen ein intensiviertes Früherkennungsprogramm mit Sonografie und MRT ab dem 25. Lebensjahr. Optionen für Betroffene sind auch die prophylaktische Entfernung der Brüste und Eierstöcke sowie eine Vorbeugung mit Medikamenten.

NEU-ISENBURG (bd/ikr). Etwa fünf Prozent aller Patientinnen mit Brustkrebs sind Trägerinnen eines Hochrisikogens für Brustkrebs (BRCA1, BRCA2). Bei den betroffenen Frauen beträgt das Risiko, im Laufe des Lebens an dem Tumor zu erkranken, 60 bis 80 Prozent.

Bei Brustkrebsgen gilt: Nicht verzweifeln, sondern handeln

Viele Brustkrebs-Frauen haben eine BRCA-Mutation.

© Chris Rogers / photos.com

Und das Risiko für ein Ovaria-Ca liegt zwischen 20 und 40 Prozent. Ähnlich hoch ist auch das Risiko für Trägerinnen des neu entdeckten Gens RAD51C, das wegen seiner hohen Penetranz als BRCA3 bezeichnet wird.

Gentest abhängig von Risikokonstellation in Familie

Ob bei einer Frau ein Gentest angezeigt ist, hängt von klar definierten Risikokonstellationen innerhalb einer Familie ab, sagte Professor Rita Schmutzler von der Universitäts-Frauenklinik in Köln zur "Ärzte Zeitung".

Er sollte möglichst bei einer bereits erkrankten Person in einem der zwölf Spezialzentren des Deutschen Konsortiums für familiären Brust- und Eierstockkrebs gemacht werden. Vor dem Test und bei der Befundmitteilung sollte eine ausführliche interdisziplinäre Beratung mit Humangenetikern, Gynäkologen und gegebenenfalls Psychologen an den Zentren stattfinden.

Sonografie und MRT ab einem Alter von 25 Jahren

Und die verschiedenen präventiven Optionen sollten abgewogen werden. Dazu gehört ein intensiviertes Früherkennungsprogramm (FEP). Es umfasst außer der regelmäßigen Tastuntersuchung die Untersuchung mit bildgebenden Verfahren.

Dazu zählen die halbjährliche Mammasonografie sowie jährliche Mammografie und MRT. Sonografie und MRT werden ab dem 25., Mammografie ab dem 30. Lebensjahr angeboten.

Quiz für Fachkreise

Im Brustkrebsmonat Oktober können Sie unter www.springermedizin.de/quiz-brustkrebsmonat (bitte einloggen) jeden Tag Ihr Wissen rund um das Thema Mammakarzinom unter Beweis stellen. Jede korrekt beantwortete Tagesfrage beim Quiz bringt einen Punkt. Machen Sie mit, sammeln Sie Punkte und gewinnen Sie tolle Preise!

Eine weitere Option für Frauen mit Genmutation ist die chirurgische Prophylaxe: Studien belegen, dass sich durch Salpingo-Oophorektomie das Risiko für Eierstockkrebs um bis zu 96 Prozent senken lässt.

Schmutzler rät zur kompletten SalpingoOophorektomie (inklusive beider Tuben), denn es sei ein Irrglaube, dass mit vaginalem Ultraschall plus Tumormarker CA-125 eine Früherkennung möglich sei. Mittlerweile machen 80 Prozent der in den Zentren betreuten Frauen von dieser chirurgischen Prophylaxe Gebrauch.

Die beidseitige Mastektomie reduziert Studien zufolge das Brustkrebsrisiko um über 95 Prozent. Dem minimalen Restrisiko und damit der reduzierten Krebsangst steht die Störung des Körperbildes durch den Verlust beider Brüste gegenüber.

Effektiv ist auch die Chemoprävention

Wichtig ist laut Schmutzler eine eingehende Abwägung des Erkrankungsrisikos und der Vor- und Nachteile mit der Patientin sowie das Angebot des simultanen Wiederaufbaus der Brust. Jede fünfte Frau mit Genmutation macht in Deutschland von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Effektiv ist auch die Chemoprävention. In den USA zur Primärprävention von Brustkrebs zugelassen sind das Antiöstrogen Tamoxifen und der selektive Östrogen-Rezeptor-Modulator Raloxifen. Auch eine Studie zu dem Aromatasehemmer Exemestan ist vor kurzem erfolgreich verlaufen, was die Primärprävention von Brustkrebs betrifft.

Mehr Infos zu spezialisierten Zentren: www.krebshilfe.de/brustkrebszentren.html

[19.10.2011, 11:17:15]
Anne Mönnich 
BRCA-Netzwerk e.V. bietet Hilfe bei familiärem Brust- und Eierstockkrebs
Seit 2008 existiert mit dem BRCA-Netzwerk e.V. eine Anlaufstelle für Betroffene und Ratsuchende, die sich mit Fragen und Problemstellungen im Kontext des familiären Brust- und Eierstockkrebses auskennt. Das BRCA-Netzwerk bietet Beratungen und Austausch per Telefon, E-Mail und
in den bundesweit eingerichteten Gesprächskreisen. Umfangreiche Informationen zum Thema finden sich im Internet unter www.brca-netzwerk.de. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »