Ärzte Zeitung online, 15.08.2017

Extrem-Diät

Wer weniger isst, bleibt länger jung

Sich jung fasten: Das könnte laut einer neuen Studie funktionieren. Forscher entdeckten, dass Zellen ihre innere Uhr nicht umstellen, wenn der Organismus weniger Nahrung bekommt. Für den Menschen könnte die Diät in der Praxis aber schwierig werden.

Von Alexander Joppich

Wer weniger isst, bleibt jung

Der Zahn der Zeit nagt an den Zellen: Möglicherweise lässt sich die Alterung aber durch eine radikale Diät aufhalten.

© Miguel Garcia Saaved / stock.adobe.com

IRVINE/USA. Wieso altern Lebewesen? Diese Frage treibt Forscher seit Langem um. Ein Team am "Center for Epigenetics and Metabolism" an der University of California ist der Antwort ein Stück näher gekommen. Sie fanden heraus, dass Zellen auch im Alter ihre circadiane Rhythmik – einfach ausgedrückt, die innere Uhr der Zellen – grundlegend beibehalten. Die Ernährung beeinflusst jedoch stark den Mechanismus.

Als Untersuchungsobjekte dienten den Wissenschaftlern Mäuse: Eine Gruppe junger Tiere (drei Monate alt) und eine mit älteren Tieren (über 18 Monate alt). Sie verglichen deren Leberzellen, die sie regelmäßig per Biopsie entnahmen. Ein Teil der älteren Tiere wurde zudem auf Diät gesetzt mit nur 70 Prozent der üblichen Nahrungszufuhr. Die Resultate publizierten sie nun in der Fachzeitschrift Cell (doi:10.1016/j.cell.2017.07.035)

Das Ergebnis: Auch bei den älteren Mäusen verlief der Zellstoffwechsel in einem 24-Stunden-Rhythmus, aber die innere Uhr dieser Zellen verlief anders. Der circadiane Mechanismus aktivierte nicht mehr dieselben Gene, wie bei den Jungen, wodurch andere Proteine erzeugt wurden. Diese Änderungen im Stoffwechsel könnten durch Schäden im Erbgut erklärbar sein, wodurch die zugeführte Energie weniger effizient von den Zellen verarbeitet wird.

Fasten wirkt positiv

Die Forscher konnten diese Umprogrammierung der circadianen Rhythmik aber aufhalten – und zwar, indem sie ältere Mäuse auf Diät setzten. Denn die Tiere, die ein halbes Jahr lang täglich eine Ernährung erhielten, die 30 Prozent niedriger lag, als die der Kontrollgruppe, zeigten merkliche "Verjüngungseffekte" in ihren Leberzellen.

Eine Begleitstudie am "Institute for Research in Biomedicine" in Barcelona unterstützt die Ergebnisse der kalifornischen Forscher. Ein Team um Salvador Aznar Benitah untersuchte Stammzellen aus der Haut von jüngeren und älteren Mäusen.

Das Resultat der Spanier: "Weniger zu essen, scheint der Alterung von Gewebe entgegenzuwirken und damit Stammzellen daran zu hindern, ihre circadianen Aktivitäten zu ändern", so Aznar Benitah.

Paradigmenwechsel oder Sturm im Wasserglas?

Bisher gingen einige Forscher davon aus, dass Stammzellen im Laufe der Zeit ihren circadianen Rhythmus gänzlich verlieren. Die neuesten Erkenntnisse widerlegen diese Hypothese jedoch und stellen nur einen Wandel der Zellaktivitäten fest.

Dr. Paolo Sassone-Corsi von der University of California geht noch weiter: "Diese Studien zeigen so etwas wie einen molekularen Heiligen Gral. Sie decken die zellulären Prozesse auf, die das Altern steuern".

Allerdings ist unklar, ob die Forschungsresultate auch auf den menschlichen Organismus anwendbar sind. Zudem würde eine solche Diät die Lebensqualität wohl erheblich einschränken: Ein Mensch würde permanent unter Hunger leiden, da er nur ein Mindestmaß an Energie zugeführt bekäme.

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