Ärzte Zeitung, 11.01.2005

Ohne Verständnis in der Umgebung läuft nichts

Auch niedergelassene Ärzte können an Hilfseinsätzen teilnehmen / Impfungen gegen Tropenkrankheiten sind ein Muß

NEU-ISENBURG (ger). Wer als Niedergelassener bereit ist, auch auf Katastropheneinsätze zu fahren, braucht unter anderem eine verständnisvolle Umgebung.

"Ohne meine Frau könnte ich das nicht machen", sagt Allgemeinarzt Dr. Wolfgang Riske aus Meinersen in Niedersachsen, der als freiwilliger Helfer der Hilfsorganisation Humedica schon am Tag der Tsunami-Katastrophe nach Sri Lanka aufbrach und dort knapp zwei Wochen als Arzt arbeitete (die "Ärzte Zeitung" berichtete ausführlich). Seine Frau organisiere, was während seiner Abwesenheit zu organisieren sei, und sie stehe hinter ihm, wenn er geschlaucht von einem Einsatz zurückkomme.

Dr. Wolfgang Riske, Allgemeinarzt in Deutschland und nach dem Tsunami Helfer in Sri Lanka : Es geht auch ohne eine Ausbildung zum Tropenmediziner. Foto: privat

Aber auch die Kollegen am Heimatort müssen einiges an Verständnis aufbringen: Sie müssen bereit sein, manchmal kurzfristig Notdienste zu übernehmen, auch an unangenehmen Terminen wie Silvester. Auch Vertretungen sind gelegentlich nicht vermeidbar, damit die Versorgung in der Region sichergestellt bleibt.

Nicht jeder Arzt ist zum Katastrophenhelfer geeignet: "Geduld, Flexibilität, die Fähigkeit, unter widrigsten Bedingungen zu arbeiten, und gutes Englisch" müsse ein Arzt mitbringen, um bei Katastrophen einsetzbar zu sein, sagt Joachim Schön von der Hilfsorganisation Humedica. Eine Ausbildung zum Tropenmediziner sei dagegen nicht erforderlich, wenn auch sicher nützlich.

Der 61jährige Riske etwa sammelte schon früh Auslandserfahrungen als Missionsarzt in Südafrika. Es habe sich gezeigt, daß der Standard der ärztlichen Ausbildung in Deutschland für Einsätze bei Katastrophen absolut ausreichend sei, sagte Schön.

Auch auf sich selbst muß man als Arzt, der in Katastrophengebiete geht, gut aufpassen, zum Beispiel bei den Impfungen. "Ich bin gegen alles geimpft, ohne das könnte man das gar nicht machen", so Riske. Nur Tollwut habe er bisher weggelassen, und gegen Meningitis gebe es noch nicht den idealen Impfschutz.

Und die Finanzen? Wenn Riske seine Praxis kurzfristig schließen muß, geht natürlich auch Umsatz verloren. Bei der Antwort kommt die christliche Motivation für seine Helferarbeit klar zum Ausdruck: "Der zehnte Teil des Einkommens gehört nach meinem Verständnis Gott. Der eine tut das Geld in den Klingelbeutel, ich mache das auf meine Weise."

Informationen für interessierte Ärzte: www.humedica.de

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