Ärzte Zeitung, 01.04.2005

Studie bestätigt: Sexuelle Fortpflanzung bietet evolutionären Vorteil

Britische Forscher weisen an Hefen nach, daß sich durch Paarung erzeugte Nachkommen unter stressigen Bedingungen besser entwickeln

Mit sexueller Fortpflanzung erzeugte Nachkommen haben bessere Chancen, sich schnell und effektiv an stressige Lebensbedingungen anpassen zu können. Grund dafür ist die Neukombination des mütterlichen und väterlichen Erbguts und die daraus resultierende genetische Variabilität des Nachwuchses. Das haben Matthew Goddard vom Imperial College in London und seine Kollegen in Experimenten mit Hefen gezeigt.

Die britischen Wissenschaftler lieferten damit zum ersten Mal den Beweis für eine über 100 Jahre alte Theorie, nach der sexuelle Fortpflanzung einen evolutionären Vorteil bietet. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher in "Nature" (434, 2005, 636). Goddard und seine Kollegen nutzten Techniken des 21. Jahrhunderts, um die Theorie des deutschen Biologen August Weismann aus dem späten 19. Jahrhundert zu überprüfen.

Dafür veränderten sie Hefen durch Zerstören zweier Gene so, daß diese sich nicht mehr sexuell vermehren und damit keine neuen Genkombinationen entstehen können. Diese asexuellen Hefen verglichen die Forscher mit unveränderten Artgenossen, indem sie beide Arten sowohl unter angenehmen als auch unter stressigen Bedingungen wachsen ließen.

Unter streßfreien Bedingungen zeigte sich kein Unterschied zwischen beiden Hefestämmen. Standen sie jedoch unter Streß - in diesem Fall durch erhöhte Temperatur - waren die sexuell aktiven Hefen im Vorteil: Ihre Wachstumsrate stieg um 94 Prozent, die der asexuellen Hefen dagegen nur um 80 Prozent.

Wichtig ist Sex also dann, so die Forscher, wenn es um das Überleben des Stärkeren unter einem selektiven Druck wie hoher Temperatur geht. Die Umgruppierung des elterlichen Erbmaterials beim Sex erhöht die Chance auf neue vorteilhafte Genkombinationen, die das Überleben der Nachkömmlinge unter stressigen Umweltbedingungen vereinfachen oder überhaupt erst ermöglichen könnten.

Offen bleibt allerdings noch, ob sich diese Ergebnisse auch auf höhere Lebewesen übertragen lassen. So gibt es beispielsweise bei Hefen keine Unterscheidung zwischen männlich und weiblich. (ddp)

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