Ärzte Zeitung, 16.05.2007

"Heute hat er Lust zu laufen" - Down-Kinder beim Sportfest

Down-Sportlerfestival fand zum fünften Mal in Frankfurt/Main statt / Der Schauspieler mit Trisomie 21 Bobby Brederlow ist Pate der Aktion

FRANKFURT/MAIN (sih). Die Familie wird jedes Jahr größer. Denn als Familienfest kann das Down-Sportlerfestival, das in diesem Jahr bereits zum fünften Mal in der Sporthalle Frankfurt-Kalbach stattfand, getrost bezeichnet werden.

Auch Judo ist eine Wettkampf-Disziplin beim Down-Sportler-Festival. Foto: sih

Zum kleinen Jubiläum hatten sich 425 Sportler zwischen drei und 43 Jahren angemeldet. Mit Eltern und Geschwistern waren über 1800 Gäste dabei. Das Fest hat sich erfolgreich etabliert, resümierte Anne Schardey von der Hexal Foundation erfreut. Auch deshalb unterstützt Hexal dieses und auch die bereits zum dritten Mal im September stattfindende Veranstaltung in Magdeburg.

In der Kalbacher Sporthalle fieberten die Teilnehmer den Wettbewerben in Weitwurf, Weitsprung, Tischtennis, 50- und 100-Meter-Lauf und nicht zuletzt der großen Party mit den "Irren Typen", der Blues- und Rockband der Behindertenwerkstätte Hainbach, entgegen. Außerdem gab es Judo, Fußball und später Autogramme von Käpt’n Blaubär.

Pünktlich um 11 Uhr rief ein Profi: "Das Down-Syndrom-Fest, es ist eröffnet." Es war Bobby Brederlow, Schauspieler mit Down-Syndrom und schon seit dem ersten Fest Pate der Spiele. Unterstützt wurde er von Andrea Spatzek, der Gabi Zenker aus der Lindenstraße. Und auch ein anderer Profi war wieder dabei, Jan Grünig, der Filmsohn von "Vater Beimer" aus der Lindenstraße, der auch das Down-Syndrom hat. "Heute hat er Lust zu laufen," sagte seine Mutter Heike. Damit beschrieb sie das Prinzip dieser Spiele: Es gehe um die Freude, dabei zu sein. Zeiten, Platzierungen und der Begriff Leistung seien zweitrangig. Medaillen und Urkunden bekommen sie am Ende alle - praktizierte Integration eben.

Trotzdem flossen manchmal Tränen, wenn man als Letzter ins Ziel kam. Ehrgeiz zeigen auch Sportler mit Down-Syndrom. Damit’s in seinem Lieblingssport Tischtennis besser klappt, hat etwa Bobby drei Kilo abgenommen, "an den Gerd (seinen Bruder) abgegeben", wie er grinsend sagte. Stolz erzählte auch Trainer Michael Kempf vom Budo-Club Mühlheim/Main, dass die 20-jährige Christine aus Offenbach zur Sportlerin des Jahres gewählt worden sei. Der Verein, der bereits zum zweiten Mal beim Sportfest dabei ist, bietet ein integratives Training für behinderte Sportler an.

Leider sei Judo für Menschen mit Behinderung noch nicht so akzeptiert, er werde zu sehr als Kampfsport betrachtet. Doch durch verschiedene Techniken und das spezielle Training würden Motorik und Fähigkeiten behinderter Sportler besonders gefördert. Nebenan auf der Laufbahn gab Andrea Spatzek "Anschubhilfe" für eine Läuferin, die freudestrahlend Richtung Ziel wetzte. Spatzek moderierte zum ersten Mal und das mit sichtlich wachsender Begeisterung. "Ich nehme so viel Wärme und Herzlichkeit mit," sagte sie zum Abschied. Und dies ging nicht nur ihr so.

3. Deutsches Down-Sportlerfestival in Magdeburg am 22. September 2007, Anmeldungen bis 15. September bei Alexandra Mest unter Tel.: 0 61 72 / 96 61 25

Topics
Schlagworte
Panorama (30926)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Tumorpatienten bei Schmerztherapie unterversorgt

Viele Krebskranke erhalten keine adäquate Schmerztherapie. Das hat eine erste Analyse der Online-Befragung "PraxisUmfrage Tumorschmerz" ergeben. mehr »

ADHS-Arznei lindert Apathie bei Alzheimer

Eine Therapie mit Methylphenidat kann die Apathie bei Männern mit leichter Alzheimerdemenz deutlich zurückdrängen. mehr »

Zehn Jahre "jünger" durch Sport

Wer Sport treibt, ist motorisch gesehen im Schnitt zehn Jahre jünger als ein Bewegungsmuffel. mehr »