Ärzte Zeitung, 23.05.2007

Shark Diving - das große Fressen

Im Meer vor den Bahamas können Taucher beobachten, wie hungrige Haie gefüttert werden. Ein spektakuläres Abenteuer. Wie fühlt man sich dabei? Ein tauchender Urlauber berichtet.

Zwei Tauchanzüge übereinander, vielleicht werden die Bestien da nicht durchbeißen, so meine Hoffnung. Schutzhaube und Füßlinge an, möglichst wenig Haut zeigen. Das Wasser ist kalt. Ein letzter Hinweis von den Tauchlehrern: "Direkt nacheinander ins Wasser, auf 15 Meter abtauchen und ruhig auf dem Grund sitzen bleiben. Während der Fütterung Arme immer dicht am Körper. Bloß nicht viel bewegen!"

Wenn ich doch da schon mal wäre auf dem 15 Meter tiefen Grund. Allein die Tatsache, dass fünf Haie mit der Größe von bestimmt zwei Meter fünfzig unser Boot umkreisen, macht mich mehr als unruhig. Einzig die Versicherung, dass ich nicht ins Futterschema der Tiere passe, lässt mich nicht kneifen. Vorsichtig gleite ich aus dem Boot ins Wasser und versuche, möglichst schnell Tiefe zu gewinnen. Eine ebene Fläche von der Größe eines Tennisplatzes haben die Experten für ihre Fütterung auserkoren. Mit mir sind vier weitere Taucher und ein Führer mit Videokamera unterwegs. Dennoch fühle ich mich im offenen Meer vor den Bahamas von allen Menschen verlassen.

Es mögen insgesamt dreißig Haie sein, die heute Nachmittag da sind. Das Sichtfeld der Taucherbrille ist beengt. Ich habe das Gefühl vor einer Leinwand zu sitzen und kann nicht glauben, dass dies live ist, dabei sitze ich in der ersten Reihe. Überall Haie, links und rechts, vorne und bestimmt auch hinten. Manche Tiere streifen mich fast, dicht halte ich meine Kamera an den Körper. Nur nicht mit den Armen wedeln.

Über allem liegt so etwas wie eine gespannte Ruhe. Ich höre meinen Atem und eine Art dumpfes Hintergrundrauschen, sonst nichts. Mit seinem Speer holt der Fütterer das erste Stück Fisch aus der Box, unser Platz wird zum Schlachtfeld: Jedes Tier versucht, etwas abzubekommen. Zwei, drei Haie gleichzeitig verbeißen sich in einem kleinen Stück, zerren Maul in Maul an dem Futter. Dass sie bei ihrem Kampf bedrohlich nahe auf mich zu driften, stört mich erst, als die erste Schwanzflosse meinen Oberkörper streift. Das geht mir aber nun doch entschieden zu weit.

Zwanzig Minuten dauert das ganze Spektakel. Ist die Futterkiste leer, verteilen sich die Haie wieder auf ein größeres Gebiet. Zurück bleiben aufgewirbelter Sand und unsere Souvenirs. Zähne, die beim Kampf ums Futter ausfallen, sammeln wir nun als Andenken ein. Auf dem Rückweg zum Boot muss ich noch einmal meinen ganzen Mut zusammen nehmen. Wieder umkreisen ein paar Haie unser sicheres Zuhause, diesmal sehe ich es aber von unten, was ungleich bedrohlicher wirkt. Nur jetzt keine Angst mehr aufkommen lassen. Gleich ist das Abenteuer überstanden.
Thomas Haltner

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