Ärzte Zeitung, 08.10.2007

Autofahren mit Joystick - eine Chance für Behinderte

Messe Rehacare in Düsseldorf präsentierte viele Innovationen / Vorlese- und Orientierungssysteme erleichtern Blinden den Alltag

DÜSSELDORF (dpa). Ein kleiner Joystick hat dem zweifach beinamputierten Formel-1-Rennfahrer Alessandro Zanardi die Rückkehr in den Motorsport ermöglicht. Bei der Messe Rehacare International in Düsseldorf zeigte der 2001 verunglückte Italiener, wie er mit einem speziell für seine Bedürfnisse ausgestatteten Auto dem geliebten Hobby wieder frönen kann.

Zum Bremsen und Gas geben bedient Zanardi dabei einen Computer-Joystick. "Den Rest erledige ich mit Berühren des Touchscreen", sagte Zanardi bei einer Präsentation während der Messe.

Ein auf dem Rollstuhl montierter Joystick ist nicht nur praktisch, er regt auch den Spieltrieb bei Kindern mit schwersten Behinderungen an. Beispielsweise kann ein Kind mit der elektronischen Steuerung seines Elektro-Rollstuhls auch ein ferngesteuertes Spielzeugauto zentimetergenau einparken, mit dem es eben Slalom gefahren ist. Die Umlenkung der Steuerungsfunktion des Rollstuhls theoretisch auf jedes andere funkgesteuerte Gerät ist dabei keineswegs bloße Spielerei. Sie wird in der Kinder-Rehabilitation zur Verbesserung der Hand-Auge-Koordination eingesetzt.

Auch für Blinde und stark Sehbehinderte wurden auf der Messe Produkte vorgestellt, die ihnen das Leben erleichtern, etwa das sprachgesteuerte Vorlesesystem Lesephon®-compact. Zum Anschluss ist dabei lediglich ein Stromkabel notwendig. Sprachsteuerung bedeutet für blinde Leser: kein mühsames Lernen, welche Taste welche Bedeutung hat. Bedient wird das System einfach durch die Sprache. Möchte der Nutzer sich einen Text vorlesen lassen, sagt er etwa einfach das Wort "lesen" in das integrierte Mikrofon.

Auch Navigationssysteme für blinde Fußgänger wurden präsentiert. Das Orientierungssystem Trekker einer Firma aus dem Ruhrgebiet etwa hilft blinden Menschen im Verkehr. Es besteht aus einer Steuereinheit, Speicherkarte, GPS Antenne, Lautsprecher und regionalem Kartenmaterial. Trecker sagt dem Nutzer über den Lautsprecher jederzeit an, wo er sich gerade befindet. Individuelle Routen können gespeichert werden.

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